424 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
vermehrt, hat sich die Denkrichtung so sehr verschoben ? Ich weifses nicht. Genug, ich sehe die Dinge unter so völlig anderemGesichtswinkel als meine Vorgänger, dafs ich deshalb auch ver-zichte, Kritik an früheren Arbeiten zu üben und alsobald zur Sacheselbst übergehe.
Gleich der Begriff der „Konkurrenz“, des „Wettbewerbs“,erscheint mir nicht genügend geklärt zu sein. Wir sprechen imBilde, wenn wir vom Konkurrieren, vom Obsiegen im Konkurrenz-kämpfe reden. Worum es sich handelt, ist ja wohl dieses: zweiWirtschaftssubjekte suchen ihren Erwerb oder Unterhalt durch Er-zeugung gewerblicher Gegenstände (oder Darbietung von Leistungen,die wir aber der Einfachheit halber aufser Betracht lassen können)zu gewinnen, die sie freihändig auf dem Markte veräufsern. Ge-lingt ihnen dies zu entsprechenden Preisen, so ist der Zweck ihresBemühens erfüllt. Stellt es sich jedoch heraus, dafs der Absatzdes einen erschwert oder unmöglich gemacht wird, weil die „Kund-schaft“ ihren Bedarf bei dem anderen bereits gedeckt hat, so sagenwir: er ist im Konkurrenzkämpfe unterlegen: die „Jury“ — dasPublikum — hat zu Gunsten des andern entschieden. Konkurrenzbedeutet also offenbar einen Kampf um die Kundschaft, will sagen,den Absatz für die zum Verkaufe feil gebotenen Güter (oderLeistungen). Überlegenheit in diesem Kampfe heifst also gröfsereFähigkeit, den Anforderungen des Publikums gerecht zu werden,oder wenn wir einen Ausdruck anwenden wollen, dessen sich dieNaturwissenschaftler bedienen, wo sie die Fähigkeit bezeichnenwollen, die einem Organismus dazu verhilft, im Kampfe ums Daseinsich zu erhalten: gröfsere Anpassungsfähigkeit. Mehr wissenwir nicht von einem Wirtschaftssubjekt, das ein anderes im„Konkurrenzkämpfe“ besiegt, als dafs es „anpassungsfähiger“ ist.Eine petitio principii ist es also, aus der Thatsache des Obsiegensohne weiteres auf bestimmte andere Eigenschaften des Siegers zuschliefsen: z. B. seine gröfsere „Vollkommenheit“. Schon in derNatur ist es unstatthaft, den anpassungsfähigen Organismus mitdem vollkommeneren, höheren zu identificieren. Geschweige dennim socialen Leben, wo wir den Begriff des Vollkommenen amIdeale bilden.
Wenn noch Schmoller a. a. 0. meinte: „Jede technische Besse-rung des Betriebes mufs sich bei freier Konkurrenz auf die DauerGeltung verschaffen . . . jede technische Besserung ist ein wahrerFortschritt der Kultur. Wir sehen auch deshalb den Grofsbetriebunerbittlich bei uns wachsen, “ so war das doch wohl nur der Aus-druck der gesamten freihändlerisch-optimistischen Auffassung der