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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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430
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'43ü Drittes Bach. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

früheren Forscher haben meines Wissens die Konkurrenz zwischenGrofsbetrieb und Kleinbetrieb erörtert, während es sich doch umetwas toto coelo verschiedenes handelt. Nicht nämlich um denWettbewerb zweier Betriebsformen, sondern um denjenigen zweierWirtschaftsformen, des Handwerks und der kapitalistischen Unter-nehmung. Es ist eines der Hauptziele, die dieser Darstellunggesteckt sind, endgültig jenen Grundirrtum aus der Diskussion zuentfernen, als handelte es sich um die Antithese Grofs- oder Klein-betrieb und nicht vielmehr um den Gegensatz handwerksmäfsigeoder kapitalistische Organisation. Unsere Aufgabe im folgenden istes also, den Wettbewerb zwischen diesen beiden Wirtschaftsformendarzustellen. Aber auch dieses nicht (wie es in den meistenKonkurrenztheorien zu geschehen pflegt) gleichsam in abstracto,d. h. ohne Rücksicht auf Raum und Zeit. Einen Konkurrenz-kampf zweier Organisationsformen in abstracto giebt es nicht. Zwarkann man die sog.Vorzüge bezw.Nachteile der einen oderanderen aufzählen, kann sie, wie es ganz feine Köpfe wohl thun,intechnische,wirtschaftliche undsociale einteilenwirsprechen also erst von der Musik, dann von der Welt und endlichvon der Geschichte; letztere aber teilen wir ein in Positiv undspanische Fliegen, wie schon Heinrich Heine so schön dis-poniert hat, das alles kann man wohl (was kann man nichtalles!), aber man soll nicht meinen, damit socialwissenschaft-liche Erkenntnis gefördert zu haben. Diese nämlich beruhtnicht in der Einsicht in dieVorteile oderNachteile einesOrganisationsprincips, sondern in den Aufschlüssen über dieZusammenhänge des Wirtschaftslebens und seine zukünftige Gestal-tung. Worauf es also ankommt, ist die systematische Erfassungder jeweils in einer bestimmten Kulturepoche geschaffenen Be-dingungen wirtschaftlicher Existenz und der daraus folgendenWiderstandskraft bestimmter Organisationsformen, ist somit also vorallem auch die Aufdeckung der in jenen Bedingungen wirksamenTendenzen und also die Richtung, welche die Entwicklung derWirtschaftsformen in Zukunft voraussichtlich nehmen werden: esgilt, den bisherigen Verlauf des Konkurrenzkampfes aus den nach-gewiesenen Entwicklungstendenzen des wirtschaftlichen Gesamt-lebens einer Zeit zu erklären und seinen Ausgang aus dem Weiter-wirken jener selben Tendenzen zu prognostizieren. Es ist wiederumdiese Methode der einzige Ausweg, um auf der einen Seite die Scyllasteriler dogmatisch-lehrbuchhafter Schematik, auf der andern Seitedie Charybdis System- und gedankenloser Kasuistik zu vermeiden.