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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Qualität der Darbietung.

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grofse Eisenkonstruktionen für Bauten u. dgl. 1 , sondern habevielmehr solche Aufträge im Auge, die sich zwar auf eine gröfsereAnzahl von Gegenständen oder Leistungen beziehen, deren jederund jede einzeln handwerksmäfsig sehr wohl geliefert werdenkönnen, die aber doch im ganzen verlangt werden, weil es demAuftraggeber bequemer ist und weil er dadurch eine gröfsereGarantie für Einheitlichkeit der Ware und vor allem Raschheitund Pünktlichkeit der Lieferung erhält. Diese Erwägungen sind be-sonders im modernen Baugewerbe oft genug ausschlaggebendfür die Bevorzugung kapitalistischer Lieferanten: denn auf der einenSeite wachsen die Dimensionen der Bauten, auf der anderen Seitesteigert sich das Bedürfnis rascher Erledigung. Ein mittelalter-licher Dom konnte von Handwerkern gebaut werden, weil es garnicht darauf ankam, ob er in diesem oder dem nächsten Jahr-hundert fertig würde: ein Bahnhof, ein Ausstellungsgebäude, eineMietskaserne in unserer Zeit sie müssen in kürzester Fristvollendet sein und darum drängt der Bauleiter auf immer kürzereLieferfristen und bevorzugt das eine grofse Geschäft, das ihm mitseinem Renomme für pünktliche rasche Vollendung Bürgschaftleistet. Unsere Quellen sind überreich an Belegen für die Richtig-keit dieser Beobachtung 2 . In welcher lächerlich kurzen Zeit heut-zutage grofse Gebäude hergestellt werden, dafür liefert ein inter-essantes Beispiel das in diesem Jahre (1901) eröffnete Prinz-Regenten-Theater in München, dessen Bau einer der gröfstenMünchener Baufirmen in Entreprise gegeben war. Die Zeit vomAugust 1899 bis April 1900 wurde zur Entwerfung und Feststellungder Pläne benutzt. Der Bau selbst wurde am 27. April 1900 mitden Erdarbeiten begonnen, bei denen 21000 cbm Bodenaushub zubewältigen waren. Besondere Schwierigkeiten bot die Herstellungder über 10 Meter unter das Strafsenniveau gehenden Bühnen-mauern, bei deren Ausschachtung unterirdische Wasserläufe an-

1 Vgl. z. B., was darüber in den Facbberichten aus dem Gebiet derschweizer. Gewerbe S. 147 bemerkt ist.

2Weil die Lieferungsfristen kürzer werden, kommen nur noch diejenigenUnternehmer bei Neubauten in Betracht, welche viele Leute beschäftigen:für das Malergewerbe in der Schweiz Fachberichte, 82, dgl. in Berlin U. VII, 210 f., Baden U. VIII, 310.Gröfseren Baugeschäften, die sich auchmit Glaserei beschäftigen, gereicht die oft kurz bemessene Lieferzeit zumVorteil; es wird manchmal viel mehr auf rasche Lieferung als auf Qualitätder Arbeit gesehen: für die Schweiz Fachberichte, 95; für Leipzig U. V, 197/98.Für die Bauschlosserei in Graz UOe., 241.

Sombart , Der moderne Kapitalismus. II.

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