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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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434 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

geschnitten wurden, welche die Baugrube mit immer neuen Wasser-massen füllten, so dafs Wochen hindurch Tag und Nacht Lokomobilenzu deren Entfernung thätig sein mufsten. Bereits im November1900 stand der gewaltige Bau, für den fast 2 Vs Millionen Mauer-steine und an 25 000 Centner Portlandcement verarbeitet wurden,unter Dach 1 .

Aber das Bedürfnis nach rascher Lieferung grofser Partienist nicht auf das Baugewerbe beschränkt. Überall, wo schon imWirtschaftsleben eine Konzentration der produktiven Kräfte erfolgtist, entsteht, wie wir an anderer Stelle gesehen haben, leicht einMassenbedarf und dieser will in einem prompt befriedigt werden,nicht durch die Addierung einer Summe ungleicher Einzellieferungsaumseliger Handwerksmeister. Wenn eine Weberei oder ein grofsesVersandhaus binnen 8 Tagen 10000 Kartons gleicher Aufmachungbraucht: wie sollen 10 Handwerksmeister diesen Bedarf ebensogutbefriedigen können als die eine Kartonfabrik 2 ? Oder wenn eineBrauerei im grofsen ihren Fafsbedarf decken will 3 ? u. s. w. Be-achtenswert ist auch der Umstand, dafs in dem Mafse, wie dieDetailhandelsgeschäfte an Umfang zunehmen, der Händler selbstimmer mehr Neigung verspürt, lieber mit wenigen grofsen Produzentenals mit einer Unzahl kleiner Handwerker zu thun zu haben, dieniemals imstande sind, ebenso auf seine Intentionen einzugehen undsich nach Art und Lieferzeit dem speciellen Bedürfnis gerade diesesHauses anzupassen, wie es der weiterblickende Grofsindustrielle miteigenen kaufmännischen Instinkten ganz selbstverständlich thut.Damit ist auch schon auf einen der Gründe hingewiesen, der indem beregten Punkte der kapitalistischen Unternehmung ihre Superio-rität verleiht: es ist die Disposititonsfähigkeit, der Überblick ihreskaufmännischen Leiters, der für die rechtzeitige, prompte Lieferungauch grofser Warenposten zu den exakt vereinbarten BedingungenSorge trägt. Es ist das Rechnungsmäfsige, das sich hier, wie in sovielen anderen Fällen gleichfalls noch, bewährt. Aber es ist danebennatürlich auch die Breite der Produktionsbasis, die Vereinheit-lichung des Kommandos über viele ausführende Personen, was

1 Vgl. Hejrm. Roth, Das Prinz-Regenten-Theater in München imTag.

Juli 1901.

3Kurze Lieferungsfristen pünktlich einzuhalten, ist für den kleinenMeister . . . ein Ding der Unmöglichkeit. Für Leipzig U. V, 329.

8. . . der durch die Großproduktion der Brauereien hervorgesufeneMassenbedarf (ist) schon aus diesem Grunde an die Fabrik verwiesen. FürKarlsruhe U. III, 134.