Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Qualität der Darbietung. 435
für die Plötzlichkeit massenhafter Produktion fördernd in Betrachtkommt.
2. Aber nicht nur in wachsendem Mafse rascher und massen-hafter will der Bedarf gedeckt sein: worauf es ebenfalls immermehr ankommt, ist dies: „Dafs alles frisch und neu Und mit Be-deutung auch gefällig sei.“
„Frisch und neu“: darauf sahen wir Sinnen und Trachtendes Händlers, der das Publikum, Sinnen und Trachten des Produ-zenten, der den Händler befriedigen will, gerichtet. Wir sahen,wie sich ein immer rascherer Wechsel des Geschmacks, der auchaus anderen Gründen wetterwendisch wird, gebiert, und sahen, wieein Hasten und Drängen damit in Handel und Produktion einzieht,das keine frühere Zeit gekannt. Hat alles dies Einflufs auf den Aus-fall des Wettbewerbs zwischen Handwerk und Kapitalismus, fragenwir nun. Und die Antwort lautet: ja, im weitesten Umfange. Vonallem Wandel der Existenzbedingungen ist vielleicht keiner fürden Bestand des Handwerks so verhängnisvoll gewesen als dieser,der die Unstetigkeit des Wirtschaftslebens herbeiführte. Nichtswird dem Handwerker schwerer als der stete Wechsel, keine andereOrganisationsform der Produktion vermag ihm besser gerecht zuwerden als die kapitalistische. Mag es sich um initiative Neuerung,mag es sich um ein Nachmachen anderswo ersonnener Neuerungenhandeln. Dem Wesen des Handwerks entspricht die Schwerfällig-keit, die Langsamkeit der Anpassung; dem Wesen der kapitalistischen Unternehmung die Versatilität. Nichts vermag den Handwerkerso sehr zur Verzweiflung zu bringen als der unausgesetzte Neuerungs-drang. Hat er sich eben schweren Herzens entschlossen, eine alt-bewährte Produktionsweise aufzugeben, hat er eben Beziehungenangeknüpft, um den neuen Rohstoff sich zu verschaffen, hat ereben angefangen sich in die neue Herstellungstechnik einzuarbeiten:so mufs er es erleben, dafs der Geschmack schon längst wiedersich verändert hat, dafs seine Erzeugnisse schon längst wieder ver-altet, „unmodern“ geworden sind. Im „Meister Timpe“ gehören dieansprechendsten Kapitel den Schilderungen der psychologischenVorgänge in der Seele des alten Handwerkers, die durch derart Er-fahrungen wachgerufen werden b
1 „Auch hier ist wieder der Grofsbetrieb (lies die kapitalistische Unter-nehmung) im Vorteile. Er macht sich die Verbesserungen schnell nutzbarund verkauft die für ihn überflüssig gewordenen alten Arbeitsmittel an denHandwerker. Im allgemeinen ist der letztere nur zu geneigt, maschinellen-
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