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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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438 Drittes Bucli. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

Schritt vor Schritt in die Höhe zu schrauben. Aber was hat dasmit dem Wettbewerb zwischen kapitalistischer und haridwerks-mäfsiger Produktion zu thun? Doch mehr, als es auf den erstenBlick den Anschein hat. Klar ist der Vorsprung der kapitalistischen Unternehmung dort, wo sie selbst es ist, die Waren oder Leistungenin gefälliger Form darbietet: die schon erwähnten Ankleidezimmerunserer Schneider und Schuster, die Magazine der Möbelfabrik, dieSalons anständiger Frisiergeschäfte, wie sie in Deutschland freilicherst sporadisch zu finden sind, in Kulturländern aber schon heuteimmer häufiger werden: sie alle wirken ganz unwillkürlich alsLockmittel auf die Kundschaft. Dafs es aber der Zusammen-fassung zahlreicher Handwerkerexistenzen zu einem Gesamtarbeitergröfserer Dimension bedarf, um die Spesen kostspieliger Verkaufs-,Ankleide- und anderer Räumlichkeiten in dem Preise der einzelnenDarbietung nicht gar zu empfindlich in die Erscheinung treten zulassen, bedarf nicht erst der besonderen Hervorkehrung h Aberauch, wo es das Verkaufsmagazin des selbständigen Detailhändlersist, das dem Publikum jenen Komfort bietet, ohne den wir nichtmehr sein mögen, bedeutet es für den Handwerker eine Benach-teiligung: sei es, weil die für ihn bald unvermeidlicheMagazin-hörigkeit der Anfang vom Ende seiner Selbständigkeit ist, wiebei Möbelhandlungen, Kofferhandlnngen, Schreibwarenhandlungenund dergl.; sei es, weil die Entwicklung zu höheren Formen desDetailhandelsgeschäfts, zum Bazar und Grofsmagazin, wie wir obenschon sahen, mit Notwendigkeit die Tendenz erzeugt, den kapita-listischen Grofsproduzenten vor dem handwerksmäfsigen Klein-lieferanten zu bevorzugen.

Aber nicht nur der äufsere Rahmen, in dem die Darbietungder Leistung erfolgt, kann ihren Wert beeinflussen; nicht minderwichtig ist auch gleichsam das innere Wesen dieserDarbietungselbst. Alles, was sich in das eine WortKulanz zusammenfassenläfst, gehört hierher. Wir wollenkulant bedient sein und daswird der Handwerker, was auch immer er sein und werden mag,niemals lernen. Weder kann er die Gefälligkeit der Umgangs-formen sich zu eigen machen, auf die die Verkäuferin des grofsenGeschäftes dressiert ist, noch auch wird ihm die einzelne Lieferungso gleichgültig werden können, wie dem Grofsproduzenten, was sie

1 Über den Traum von genossenschaftlichem Verkauf etc. (Magazin-genossenschaften) als einem der Heilmittel für den Handwerker wird in anderemZusammenhänge zu reden sein. Vgl. das 35. Kapitel dieses Bandes.