Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Qualität der Darbietung.
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3. . . . Dafs alles „frisch und neu Und mit Bedeutung auchgefällig sei“. Dies ist abermals ein wichtiger Punkt, in demdas Handwerk mit den Anforderungen der Zeit nicht hat Schritthalten können: die verfeinerte, elegantere, kulantere
Art der Darbietung. Karl Jentsch hat einmal in seiner drasti-schen Weise uns vor Augen geführt, wie vieler liebgewordener Ge-wohnheiten sich das kaufende Publikum entschlagen, welche Ent-sagung es üben müfste, wenn es wirklich wieder seinen Bedarf beimHandwerker decken wollte wie ehedem, d. h. wenn es die Dar-bietung des Produkts in der primitiven Form sich gefallenlassen wollte, wie sie dem Handwerk entspricht. Er meint, derAdel und das ihm nacheifernde „vornehme“ Publikum könnten sehrwohl dem Handwerk helfen, nur müfsten sie sich selbst bei derDeckung ihres Bedarfs einige Beschränkungen auferlegen. Näm-lich zuvörderst sich zu folgendem verpflichten: Wir werden inZukunft keinen Stiefel, keinen Schuh, keinen Rock, keinen Hut,keinen Handschuh, kein „Kostüm“, keinen Strumpf, keine Wäsche,keinen Tisch, keinen Stuhl, kein Sofa, keinen Reisekoffer, keinPferdegeschirr, kein Messer, keine Schere, keinen Goldschmuck,keinen Topf, keinen Teller mehr im Laden des grofsen Händlerskaufen, sondern werden alle diese Dinge beim kleinen Handwerker,bei der kleinen Schneiderin, Näherin, Modistin bestellen. Wirwerden es uns nicht verdriefsen lassen, in einem schmutzigen Hofedie Thür zu dem erfragten Seiten- oder Hintergebäude zu suchen,vier dunkle baufällige Treppen hinaufzustolpern und unsere Be-stellungen in einem eiskalten oder überheizten und mit übelriechendemQualm erfüllten Zimmer zwischen wüsten Materialienhaufen, schreien-den Kindern, Speiseresten und allerhand Geräten zu machen oderim Erdgeschofs beim Meister Tischler mit einem übelriechenden Leim-topf vor der Nase. Wir werden Geduld haben mit dem armen Manneoder der armen Frau, wenn das bestellte Stück nicht so sauberund elegant ausfällt, wie wir es im Laden bekommen hätten, mitder Zeit wird es schon besser werden u. s. w.
Das heifst also: wir erheben heute Mindestansprüche an
Bequemlichkeit und Eleganz der Darbietung, wie sie uns dasVerkaufsmagazin moderner Herrichtung, die komfortabeln Ankleide-räume unserer grofsstädtischen Schuh- und Kleiderlieferanten etc.etc. zu erfüllen vermögen. Ist es auch heute erst eine Anzahl fein-fühliger Naturen, die solche Anforderungen aus eigenem Antriebestellen, so teilt sich doch derartiges Bedürfnis bald weiteren Kreisenmit und die „Konkurrenz“ thut das übrige, um die Anforderungen