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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Fünfundzwanzigstes Kapitel. Die Qualität des Dargebotenen. 445

je höher das Talent, desto geringer der Prozentsatz von Menschenin dieser Gruppe, die damit behaftet sind. Dieser Gedanke, aufdas technische Können angewandt, liegt der Differenzierung derArbeitskräfte in der kapitalistischen Unternehmung zu Grunde.Es ist eine gewifs auf physiologische oder psychologische Ursachenzurückgehende Thatsache, dafs unter einer bestimmten Anzahl be-liebig ausgewählter Menschen, die unter gleichen Bedingungendas Schneiderhandwerk erlernen, immer nur eine Minderheit dasZuschneiden zur Vollendung bringt: unter je dreifsig oder vierzigSchneidern oder Schustern findet sich je einer, dem jener Teildes Handwerks gelingt, wie unter dreifsig Menschen je einerKegeln oder Billard oder Kartenspielen gut erlernt. Bei un-differenzierter Abeitsthätigkeit führt nun jene Thatsache dahin,dafs neunundzwanzig Schneider mäfsig und nur e i n e r gut arbeitet.Wird das eine Talent nun aber ausgeschieden und in derWeise genutzt, dafs es für die übrigen neunundzwanzig talentlosenSchneiderseelen allen Stoff zuschneidet, so ist der Effekt der, dafsjetzt das Produkt der dreifsig Schneiderlein, das sich uns darstelltals das Erzeugnis eines renommierten kapitalistischen Mafsgeschäftes,auf eine höhere Stufe der Vollendung emporgehoben ist. Wermich hier fragt, weshalb ich solche Fibelweisheit breitspurig vor-trage, dem erwidere ich, dafs es mir selbst wohl am schwerstenwird, über solche einfache Dinge auch nur ein Wort zu ver-lieren, dafs ich aber im Verlauf meiner Studien zu der beschämendenEinsicht gekommen bin, dafs oft gerade die elementarsten Zu-sammenhänge nicht begriffen werden. All das Blech, das beispiels-weise über die qualitativ höhere Leistungsfähigkeit desHand-werkers in allen den Fällen, in denenkeine Maschinen zurAnwendung kommen u. s. w. geschwafelt worden ist, hätte erspartwerden können, wenn man auch nur einen Augenblick jenen Ge-dankengängen gefolgt wäre, die ich eben angedeutet habe.

Das also ist klar, dafs die Qualität der Produktion erhöhtwird durch die Aussonderung talentierter Specialisten und dieNutzbarmachung ihres Könnens für einen gröfseren Kreis vonProduzenten, sowie auch des weiteren dieses klar erscheint, dafsdie kapitalistische Unternehmung, weil sie auf einer breiterenProduktionsbasis aufgebaut ist, dem Handwerker gegenüber imVorteil sich befindet, sofern sie erst jene höheren Leistungen ent-sprechend zu vergüten vermag, ohne die Preise des einzelnen Produktsüber Gebühr zu steigern. Was dagegen auf den ersten Blick auf-fällig erscheint, ist der Umstand, dafs auch die dritte Gruppe