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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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464 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

barkeit, höchster subjektiver Rationalismus in der Kalkulation undhöchste objektive Irrationalität im endlichen Ergebnis der Marktlagesind gleichermafsen, wie wir wissen, dem modernen Wirtschafts-leben innewohnende Eigenarten.

Die subjektive Preisberechnung des produzierendenoder handeltreibenden Wirtschaftssubjektes mufs heute in wachsendemMafse eine bis zu den kleinsten Beträgen herab exakte und wohl-überlegte sein. Geringste Vorteile beim Bezug der Rohstoffe, beider Produktion, beim Absatz müssen in Rücksicht gezogen werden,die Produktionskostenberechnung des einzelnen Stücks mufs unterVeranschlagung des Special- und Generalaufwandes aufs genauestejeder Inangriffnahme der Produktion voraufgegangen sein, soll dieProduktion Erfolg versprechen. Es ist bekannt, wie in den fort-geschrittenen Industrien und den fortgeschrittenen Wirtschafts-gebieten, wo die Konkurrenz ihren höchsten Intensitätsgrad erreicht,die Kalkulation, die in weniger heifsen Konkurrenzkämpfen sichum die Mark und Pfennige dreht, schon bis auf die Zehntelpfennigegenau vorgenommen wird. Es kann aber keinem Zweifel unter-liegen, dafs wir es hier mit einer Entwicklungstendenz allgemeinerNatur zu thun haben. Der Konkurrenzkampf mufs mit Not-wendigkeit an Schärfe zunehmen, die Anforderungen an genauesteKalkulation müssen somit immer mehr gesteigert werden. Diegewohnheitsmäfsige Preisbildung, wie sie noch heute in weitemUmfange besteht, wird auf der ganzen Linie wenigstens der gewerb-lichen Produktion der rationalistischen Preisbildung weichen: dasist eine ganz simple Konsequenz eben jener wachsenden Intensitätdes Konkurrenzkampfes. Ersichtlich folgt aus dieser Thatsacheweiter, dafs diejenigen Wirtschaftssubjekte das höchste Mafs vonAnpassungsfähigkeit an die sich umgestaltenden Daseinsbedingungendes ökonomischen Lebens prästieren werden, die den Anforderungenrationalistischer Preisgestaltung am besten gerecht zu werden ver-mögen. Dafs dieses aber in unserem Falle die kapitalistischen Unternehmer sein werden, bedarf keiner weiteren Begründung.Ist ja doch die Ausscheidung der kaufmännischen Funktion, dieeine der Wesenheiten der kapitalistischen Organisation bildet, imunmittelbaren Hinblick darauf erfolgt, dafs gesteigerte Anforderungenan kalkulatorische Thätigkeit erhoben werden. Jeder, der die Augenoffen hat, sieht es und unsere Quellen bestätigen auf jeder Seitedie Richtigkeit der Beobachtung, dafs es in aufserordentlich vielenFällen die mangelnden kalkulatorischen Fähigkeiten des Handwerkerssind, die ihn im Konkurrenzkämpfe zum Unterliegen bringen.