Siebenundzwanzigstes Kapitel. Die formale Überlegenheit etc. 4(55
Besonders deutlich tritt die Inferiorität des Handwerks nach dieserSeite in die Erscheinung, wo die genaue Kalkulation der Produktionvorschriftsmäfsig vorangehen mufs, wie es bei den Submissionender Fall ist. Übereinstimmend lauten die Urteile aller Beobachterdahin, dafs die von den Handwerkern aufgestellten Berechnungenmeist völlig unbegründete und irrtümliche sind, dafs in sehr vielenFällen die Handwerker überhaupt nicht wissen, was sie die Her-stellung eines Stückes kostet, weil ihnen jede Möglichkeit fehlt,eine genaue Verteilung der Generalkosten etc. auf die einzelneWare vorzunehmen. Es erscheint überflüssig, für diese notorischeThatsache Belege anzuführen. Was der Berichterstatter über dasBerliner Malergewerbe sagt, kann ohne weiteres auf das gesamteHandwerk angewendet werden: „(Die Submission) erfordert einegenaue kaufmännische Berechnung der Kosten und eine Übersichtüber die Lage der Nachfrage. In diesem Punkte ist der Hand-werker den Inhabern gröfserer Betriebe wenig gewachsen. Wennkapitalkräftigere Handwerksbetriebe zusammenbrechen, so haben siemeist dadurch Schaden genommen V
Sonderbar mutet der Rat an, den unter sothanen Verhältnissenwarmherzige Menschenfreunde wohl dem Handwerker geben: ermüsse Kaufmann werden, um den Konkurrenzkampf siegreich zubestehen. Das heifst also: man rät dem Hasen, er solle fliegenlernen, um sich den Nachstellungen des Bussards besser entziehenzu können. Ein Handwerker, der kaufmännische Fähigkeiten be-sitzt, ist eben kein Handwerker mehr; dafs man das nicht ein-sehen kann! Dafs man nicht begreifen will, dafs der Auslese-mechanismus ein durchaus verschiedener ist, je nachdem es sichum Leute mit kaufmännischem Talent oder um technische Arbeiterhandelt. Dafs aus dem Handwerkerstand eine Anzahl ge-eigneter Männer aufsteigen kann — kleinkapitalistische Unter-nehmer haben wir sie getauft — die ihre Handwerkernatur auf-zugeben und kaufmännische Produktionsleiter zu werden die Fähig-keit besitzen, beweist nichts gegen die Richtigkeit der Behauptung,dafs es ein schreiender Unsinn ist, einen Handwerkerstand mitkaufmännischen Qualitäten — ein Geschlecht fliegender Hasen! —für möglich zu halten.
Vermag der kapitalistische Unternehmer sonach eher als derHandwerker den Anforderungen des Rationalismus in der Preis-gestaltung gerecht zu werden, so ist er nicht minder der Bevorzugte
1 U. VII, 229.
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