476 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
in dunklen Kellern, unter dem Dach, in den Hinterhäusern, aufalten Höfen, in baufälligen Schuppen, auf Korridoren, in Küchenund wo sonst ein Fleckchen übrig ist, da finden wir ihn nisten.
In mittleren und kleineren Städten hat die Grundrentenent-wicklung diese Wirkung noch nicht ausgeübt. Aber auch hier istes nur eine Frage der Zeit, wann die kleingewerblichen Produ-zenten vor den steigenden Boden- bezw. Häuserzinsen weichenmüssen.
Einige Angaben über den Beginn dieser Entwicklung wenigstensfür das Ladengeschäft wurden oben gemacht. Was bis heute dieschädigenden Einflüsse jener Entwicklung in den kleinen Städtennoch immer in bescheidenen Grenzen gehalten hat, ist der Um-stand, dnfs daselbst ein grofser Teil der Handwerker von früher-her noch im Besitze von Häusern sich befindet 1 2 . Nun ist ersicht-lich, dafs die Verteuerung des Standorts sich solange nicht in vollemUmfange fühlbar macht, als der Produzent auf eigenem Grund undBoden sitzt. Unvermeidlich aber mufs der Moment kommen, wodie fortschreitende Entwicklung unseres städtischen Wesens, geradeauch wieder das Steigen der Grundpreise, den Handwerker ausseinem Besitze drängt. Und dann wird auch für die kleinerenStädte die verheerende Wirkung der Grundrente erst in vollemUmfange sich fühlbar machen. Dafs aber der Prozefs der Ent-hausung der Handwerker auch in mittleren undKleinstädten bereits sich zu vollziehen begonnen hat undsogar teilweise schon recht weit vorgeschritten ist, unterliegt nachdem allgemeinen Urteil der Sachkenner keinem Zweifel. Ziffern-nnifsige Angaben besitzen wir leider nur in geringem Umfange.So weit sie jedoch vorliegen, reden sie eine deutliche Sprache.Wiederum geben uns die vortrefflichen Untersuchungen PaulVoigts über die Lage des Handwerks in Eisleben hier dankens-werten Aufschlufs. Nach seinen Ermittlungen besafsen in Eisleben 1790 fast alle Handwerksmeister ein eigenes Haus. Heute gehörenvon den 2200 Häusern Eislebens ca. 270—280 Handwerksmeistern;also nur die gröfsere Hälfte der Meister hat ein eigenes Haus, dieübrigen wohnen zur Miete. Offenbar fällt nun der Verlust derHäuser in die letzten Jahrzehnte, und zwar sind die Handwerkerseit dieser Zeit am meisten aus den eigentlichen Geschäfts-strafsen verdrängt: am Markt waren 1873 von 58 Häusern 14
1 Siehe die zahlreichen Beispiele in 17., Index s. v. Häuserbesitz.
2 U. IX, 354/55. 358.