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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Neunundzwanzigstes Kapitel. Der Kampf um die Produktionsmittel. 475

im Interesse des Publikums notwendig sind. Deshalb werden dieWerkstätten in den zu Fabrikzwecken eingerichteten Hinterhäusernangelegt, und zwar baut man besonders gern gröfsere Arbeitssäle,die leichter wieder an andere Fabriken vermietet werden können,falls sich einmal kein Tischler für sie findet. Meist ist ein ganzesFabrikgebäude mit den Werkstätten von Tischlern, Drechslern,Bildhauern u. s. w. angefüllt; häufig befindet sich auch eine Lohn-schneiderei in demselben Gebäude. Darum ist es für den kleinenTischler ziemlich schwer, eine Werkstatt zu bekommen, die er auchmeist teuer bezahlen mufs. Auch die Mittelbetriebe sind hinsicht-lich der Werkstätten vielfach schlechter gestellt als die Grofsbetriebe;sie müssen sich teilweis mit wenig bequemen und dunklen Arbeits-räumen begnügen. Die Arbeiter klagen besonders über die mangel-hafte Ventilation, die schlechte Beleuchtung und über die qualmendenÖfen, die sich häufig in den kleineren und mittleren Betriebenfinden. Sie arbeiten viel lieber in den hellen, freundlichen undgeräumigen Werkstätten der Grofsbetriebe 1 . Letztere lehrreicheBemerkung gehört in ein anderes Kapitel: die Abspenstigmachungder besten Arbeitskräfte seitens der grofsen Unternehmungen, derenunheilvolle Folgen für das Handwerk bereits gewürdigt wurden.

In besonders günstigen Fällen gelingt es nun aber dem kapi-talistischen Unternehmer selbst und gerade in den gröfsten Städtendie Auslagen für Grundrente, d. h. also für den Stand-ort seiner Produktion, völlig aus seinem Ausgabeetatzu streichen und sie anderen, den Arbeitern, aufzubürden, diesie von dem Preise ihrer Arbeitskraft in Abzug zu bringen haben(Hausindustrie!). Da diese Manipulation bereits in den Bereichder Kosten der persönlichen Produktionsfaktoren hinübergreift, sosoll sie dort im Zusammenhänge genau dargestellt werden.

So sehen wir, wie von den verschiedensten Seiten her diesteigende Grundrente schädigend auf das Handwerk einwirkt. Ihrzerstörender Einflufs nach dieser Richtung hin kann nicht leicht zuhoch veranschlagt werden.

In den Grofsstädten ist der Zusammenhang zwischen Grund-rentenentwicklung und Niedergang des Handwerks schon heuteaugenfällig. Dem Handwerker ist kaum noch ein Plätzchen ge-gönnt, wo er seine Hobelbank, seinen Schraubstock oder seinenArbeitstisch aufschlagen kann. Er fristet in ihnen nur noch einDasein in den Ritzen und Löchern gleichsam des socialen Gebäudes:

1 U. IV, 398/99.