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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

bietung der Waren, die aber Inhalt einer verselbständigten Detail-handelsunternehmung wird. Dann ist daran zu erinnern, dafs imheutigen Verkehr jede Lieferung für ein Magazin den Handwerkerin die Gefahr bringt, magazinhörig zu werden, dafs aber, wie wirwissen, zudem die ganze Entwicklung des Detailhandels , der dankderselben Grundrente, die den kleinen Handwerker aus den Haupt-strafsen der Städte verbannt, in die Richtung der grofskapitalisti-schen Organisation gedrängt wird, derart ist, dem kleinen Liefe-ranten das Leben immer saurer zu machen.

Oder es findet keine ladenmäfsige Ausstellung der fertigenErzeugnisse statt, weil deren Natur es verbietet oder wenigstensunnötig macht. Auch dann ist der Handwerker immer noch un-günstiger gestellt. Der kapitalistische Unternehmer kann bei dergröfseren Menge seiner Produkte und seiner meist konzentiierterenKundschaft zunächst viel leichter als der kleine Meister dem Druckder Grundrente dadurch ausweichen, dafs er an die Peripherie derGrundrentenmaxima seine Betriebsstätte verlegt und vielleicht diekaufmännische Gentrale im Mittelpunkt der grofsen Stadt beläfst.Zu beachten ist auch, dafs die blofse Verlegung des Standorts für denkleineren Produzenten stets ein weit gröfseres Risiko bedeutet alsfür den kapitalkräftigen Unternehmer 1 .

Endlich aber ist der kapitalistische Unternehmer auch dannnoch im Vorteil gegenüber dem Handwerk, wenn er gleich diesemin den Brennpunkten der städtischen Grundrente verbleibt. Selbst-verständlich wieder deshalb, weil er imstande ist, die Grundrenteeiner gegebenen Fläche über eine gröfsere Anzahl Produkte zu ver-teilen. Aber doch auch weil er die erforderliche Fläche zu günstigerenBedingungen als der Kleingewerbetreibende erhält. Was von denTischlereien in Berlin sich sagen läfst, gilt gewifs für weite Kreisedes Handwerks in gleicher Weise, dafs nämlich selbst dort, wobeide Teile, GrofsUnternehmer und kleiner Meister, zur Miete sitzen,erstere besser gestellt sind als letztere.Für die Anlage vonTischlerwerkstätten gelten in Berlin besondere polizeiliche Vor-schriften, die wegen der grofsen Feuersgefahr des Tischlereibetriebes

1Schon die Wahl eines anderen Stadtteils bringt oft fühlbare Nachteileim Einkauf und Verkauf, nicht für den mit Millionen arbeitenden Grofsbetrieb,wohl aber für die unendlich grofse Zahl der mittleren und kleineren Betriebe.Diese fürchten schon aufser Mitbewerb gesetzt zu werden, wenn sie das Stadt-viertel verlassen, in dem die betreffende Branche ihren Sitz aufgeschlagen hat,wie viel mehr also die Verlegung aufs platte Land. H. Freese, Wohnungs-not und Absatzkrisis. Jahrbücher für N. Ö. III. F. Bd. VI. S. 650.