Neunundzwanzigstes Kapitel. Der Kampf um die Produktionsmittel. 473
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den Produzenten bildet. Und es ist nun liier festzustellen, dafses das Steigen der städtischen Grundrente ist, dasdie Chancen des Handwerks zu Gunsten der kapitalistischen Unternehmung bei der Preisbildung wesentlich verschlechtert.Zunächst dadurch, dafs sie ihm das Ladengeschäft, d. li. denVertrieb seiner Produkte im offenen Laden erschwert oder un-möglich macht. Ein Gang durch die Strafsen unserer grofsenund mittleren Städte bestätigt dies. Wir sehen fast überall denalten Handwerkerkram durch das, wie wir wissen, an Umfangund Qualität wachsende Detailverkaufgeschäft verdrängt. UnsereQuellen enthalten zahlreiche Klagen über diesen allgemeinen,selbst in kleinen Städten beobachteten Entwicklungsgang. Vonden Schuhmachern in Jena lesen wir 1 : „Bei der gegenwärtigenHöhe der Ladenmieten . . . läfst nach Angabe der Meister derGeschäftsgewinn in der Regel die Haltung eines offenen Ladens,wenigstens in besserer Geschäftslage, nicht zu, zumal die Laden-miete meistens auch eine teuerere Wohnungs- und Werkstattsmietebedingt.“ Von den Fleischern in Düsseldorf heifst es 2 : „So weit dieLadengeschäfte bestehen, haben sich die hohen Mieten als aufser-ordentlich drückend, namentlich für kleinere Geschäfte erwiesen . .Je kleiner das Geschäft ist, desto gröfser ist der Quotalanteil desEinkommens, der für Miete gezahlt wird. Für kleine Meister be-trägt sie meist 50 °/ 0 , immer aber wenigstens 40 % der nach Abzugder Kosten des Viehs Testierenden Einnahmen, für mittlere durch-schnittlich 25°/o, für Grofsgeschäfte 15°/o.“ Über die Tischler inBerlin wird berichtet 3 : „Einen offenen Verkaufsladen wird derTischlermeister meist nur dann halten können, wenn er ein eigenesHaus besitzt; und selbst dann mufs er meist noch über ziemlichbedeutende Kapitalien verfügen.“
Häufig kann nun das gröfsere Unternehmen, wie aus den mit-geteilten Ziffeim schon ersichtlich ist, sich den Luxus eines eigenenoffenen Ladens sehr wohl noch gestatten, wenn es dem kleinenProduzenten längst nicht mehr möglich ist: aus Gründen, die wirweiter unten kennen lernen werden. Müssen aber beide Konkur-renten auf die Haltung eines Ladens verzichten, so ist dadurchder Handwerker natürlich wieder verhältnismäfsig stärker benach-teiligt. Entweder nämlich es bleibt bei der ladenmäfsigen Feil-
1 U. IX, 51.
2 ü. I, 238.
2 U. IV, 400.