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480 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
verschoben, zu wessen Gunsten und wodurch? Kein Zweifel, dafsdie Entwicklung, wie sie hier geschildert wurde, abermals demHandwerk zum Schaden sich vollzogen hat.
Man braucht nicht gerade die Fälle zu verallgemeinern, indenen die Wegnahme oder die Verteuerung des Rohstoffs die ganzeExistenz eines Gewerbezweiges in Frage gestellthaben. Es sind das wohl meist Fälle lokalisierter Specialhandwerke,sog. „bäuerlicher Hausindustrie“, die in Anlehnung an den in derGegend überreichlich vorhandenen und darum billigen Rohstoff indie Höhe gekommen sind. Solcher Art Industrien sind häufig anden Rand des Verderbens gebracht worden in dem Augenblick, wodie kapitalistische Entwicklung ihren Rohstoff auszuführen begann,weil er anderswo besser verwertet werden konnte. Tugan-Bara-n o w s k i teilt uns in seiner Geschichte der russischen Fabrik zahl-reiche Beispiele solcher Handwerke mit, die insbesondere durchVerteuerung oder gänzliche Wegnahme des Holzes in Verfallgeraten sind. „Als gewöhnliche Ursache des Verfalls des Gewerbeswird der Mangel an Holzmaterial angeführt. Selbst in dem anForsten reichsten Distrikt Ostaskov verspürt man jetzt Mangel anHolzmaterial 1 .“ Ein anderes instruktives Beispiel für die nämlicheEntwicklung ist folgendes: in den kleinen Gemeinden der ProvinzBologna: Lizzano, Porretta u. a. wurde eine schwungvolle Böttchereiund Stellmacherei getrieben und buchene Gebinde, Fafsdauben,landwirtschaftliche Instrumente etc. wurden in grofsen Mengen er-zeugt. Da machte die Entwicklung der grofsen Industrien die Ver-kohlung der nahen Wälder profitabel, und nun geht das Rohmaterialder ehemals blühenden Gewerbe in Form von Holzkohle an denNachbarorten vorbei ins Weite 2 .
Ähnliche Klagen über direkte Benachteiligung handwerksmäfsigerProduzenten durch Wegnahme des Rohstoffes werden gelegentlichwohl auch für Deutschland erhoben. Insbesondere sollen dieGerber vielfach ihre Betriebe geradezu haben einstellen müssen,weil ihnen die Häute vor der Nase weg vom Agenten des grofsenHäutehändlers oder Lederfabrikanten aufgekauft wurden oder dieEichenlohe aufser Landes geführt wurde.
Aber das sind doch extreme Fälle, die sich auch meist nurauf Rohstoffexportländer beziehen, also solche, die sich in