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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Neunundzwanzigstes Kapitel. Der Kampf um die Produktionsmittel. 481

frühkapitalistischer Entwicklungsphase befinden. Uns interessierenvielmehr jene andern Fälle, in denen durch die Veränderungen, dieauf dem Rohstoffmarkte vor sich gegangen sind, zwar die davonbetroffenen Gewerbe in handwerksmäfsiger Ausübung nicht ver-nichtet, aber doch in empfindlicher Weise geschädigt wordensind. Diese Fälle treten so allgemein auf, dafs wir sie wohl ohneweiteres als typisch anzusehen berechtigt sind 1 .

Forschen wir nach den Gründen der Schädigung, so findenwir fast überall dieselben angegeben5 zunächst dies: infolge derEinbeziehung der Rohstoffe in den Welthandel sind deren Preiseden Konjunkturen der Verkehrswirtschaft ausgesetzt. Der Hand-werker ist aber nicht imstande, den wechselnden Konjunkturenentsprechend seine Produktion einzurichten: weder kann er sie imgünstigen Falle durch raschen Ankauf gröfserer Mengen genügendausnützen, noch ihren Widerwärtigkeiten entsprechend standhalten.Diese Seite des Problems haben wir bereits erörtert. Sodann aberwird mit Nachdruck fast durchgehends betont, dafs infolge desLaufs, den der Rohstoffhandel genommen hat, der Handwerker seinMaterial unter ungünstigeren Bedingungen, also teurerbeziehen mufs, als der kapitalistische Unternehmer. Das ist es,was uns hier interessiert. Woher diese Benachteiligung?

Die Sache ist die: so lange die Häute, Hörner, Klauen etc.einzeln beim Bauer der Umgegend aufgekauft, die Bretter in derbenachbarten Sägemühle erstanden werden, erspart der Grofs-produzent offenbar nicht an Kosten, weil nicht an Aufwand, dennder Ankauf seines Rohmaterials, der Transport vom Erzeugungsortbis zur Verarbeitungsstätte setzt sich aus einer Summe von Einzel-akten zusammen, deren jeder selbständigen Aufwand und selb-ständige Kosten verursacht, die auch durch die Summierung nichtverringert werden. Zwölf Handwerker, die jeder für sich jeeinen Ankauf und einen Transport vornehmen, verfahren alsonicht kostspieliger als der Fabrikant, der ebensoviel Rohmaterialin zwölf verschiedenen Akten erwirbt. Findet jedoch aus irgendeinem Grunde, ehe das Rohmaterial in den Handel kommt, das-jenige statt, was man eine Güter- oder Warenzusammen-ballung nennen kann, d. h. finden sich gröfsere Quantitäten jenesRohstoffs an einer Stelle unter einer Verfügungsgewalt zusammen,so bedeutet nun offenbar der Bezug einer bestimmten Quantität

1 Ich verzichte auf eine Aufzählung der Fälle und verweise den Leserauf die U., in deren Index sich das StichwortRohstoffbezug findet.Sombart , Der moderne Kapitalismus. II. 31