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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
durch zwölf verschiedene oder durch einen einzigen Produzentenetwas wesensverschiedenes. In jenem Falle nämlich mufs diezusammengeballte Masse zerteilt, jede Teilquantität mufs besondersverpackt, verwogen etc., mit besonderen Adressen, Begleitpapierenversehen, mufs endlich in besonderen Akten transportiert werden;kurz, die Übermittlung der einen Masse an zwölf verschiedene Em-pfänger bedeutet jetzt einen erheblichen Mehraufwand gegenüber demVersand an eine Adresse. Ob dieser Mehraufwand von dem erstenVersender oder von einer Mittelsperson (wir nennen ihn Zwischen-händler) geleistet und also an jenen oder diese bezahlt wird, bleibtsich im Effekt gleich: genug, dafs überall dann — aber auch nurdann — wenn Warenzusammenballungen stattgefunden haben, der„Bezug im grofsen“ billiger ist als in Teilpartien. Diese im Effektjedermann geläufige Thatsache habe ich hier etwas ausführlicherzu begründen versucht, weil offenbar noch erhebliche Unklarheitenüber ihr Wesen verbreitet sind. Sonst würde beispielsweise nichtso oft in stereotyper Wiederholung die absolut stumpfsinnigeBezeichnung der Kostenersparnis beim Rohstoffbezug als „wirtschaft-licher Vorteil“ gegenüber den „technischen Vorteilen“ des „Grofs-betriebs“ bei der Produktion beliebt werden. Die „Kostenersparnis“ist in der Cirkulationssphäre nicht minder „technisch“ begründet,als in der Produktionssphäre, oder wenn man will, um kein Haar„wirtschaftlicher“ dort als hier. Eine solche Zusammenballunggröfserer Gütermengen findet nun aber notwendig statt, ganzunabhängig von dem Bedürfnis des Verarbeitens, dort, wo der Roh-stoff in so weiter Entfernung von der gewerblichen Produktionsstättegewonnen wird. Dafs durch die Fleischextraktkompagnien inSüdamerika eine Zusammenfassung grofser Häutemengen oder Talg-massen erfolgt, ist das Zufällige dabei: der Hanf, der vom russischenBauer im kleinen produziert, die Haut, die im Innern Indiens vondem einzelnen Hindu geliefert wird: sie müssen mit Notwendigkeitnicht minder eine Zusammenballung zu gröfseren Mengen erfahren,ehe sie in Europa verarbeitet werden, als die im grofsen produziertenWaren es im Produktionsprozesse erleben. Ob klein, ob grofs: derLeipziger Seifenfabrikant kann nicht in direkte Beziehung mit demafrikanischen Negerdorfe treten, das ihm sein Palmöl liefert. DieZusammenballung erfolgt hier durch den Exporteur bezw. Importeur.Von ihm bezieht also nun der Grofsfabrikant natürlich billiger, alsder kleine Produzent, der erst noch der „zweiten Hand“ bedarf,die ihm die oft mühsam zusammengefügte Warenmasse wieder inkleinen Portionen auseinanderteilt.