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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

für die gesamte Arbeitskraft trotz Verteuerung einzelner Arbeits-kräfte nicht teuerer zu stehen kommt als demjenigen Konkurrenten(Handwerker), der die Qualitätsarbeiter nicht beschäftigt. DerPreis der abstrakten Arbeitskraft, wie man denDurch-schnittslohn der in einem Etablissement beschäftigten Arbeiternennen kann, darf durch Preiserhöhung einzelner Arbeitskräftenicht gesteigert werden. Dieses Ziel erreichen helfen dem Kapitalistennun die sich anbietenden Spottpreisarbeiter. Durch Auflösungdes Produktionsprozesses in seine einzelnen Bestandteile, wodurcher die kunstvolleren Leistungen auf der einen Seite verselbständigte,schuf er auf der anderen Seite die grofse Menge der rein mechani-schen Verrichtungen, die nun von dem Dümmsten ohne weiteresausgeübt werden können. Mit der Anwendung der Maschinentechnikhat die Verwendbarkeit ungelernter und billiger Arbeitskräfte, wieman sieht, im Princip gar nichts zu thun diese vielmehr wie jeneberuht lediglich auf der Ver selb ständigung der entgeistigtenTeilverrichtung im Ganzen des Produktionsprozesses.Daher sie nicht minder grofs war in Industrien, in denen die ma-schinelle Technik bislang gar keine wesentlichen Veränderungen desArbeitsprozesses hervorgerufen hat, wie in der Schneiderei, als dort,wo die Produktion auf eine völlig neue technische Basis gestelltwurde, wie in der Spinnerei. Einen bedeutsamen Einflufs übt dieMaschinentechnik als solche auf den Preis der Arbeitskraft nur in-sofern, als sie das physische Krafterfordernis verringert und damitvielfach den Ersatz der ungelernten männlichen durch die ungelernteweibliche oder jugendliche Arbeitskraft ermöglicht.

Es ist nun ersichtlich, dafs der Vorsprung in der Produktions-kostengestaltung ceteris paribus um so gröfser ist, je gröfsere Massender Gesamtarbeit als unqualifizierte ausgeschieden werden können.Danach richtet sich denn auch die Bedeutung der Verbilligung derArbeitskräfte für die einzelnen Industriezweige. Diese ist fernerum so gröfser, je weniger Anforderungen an die Arbeitsgeschick-lichkeit der überqualifizierten Arbeiter gestellt werden. Doch sinddas alles nur Quantitätsunterschiede, die an der principiell wichtigenThatsache nichts ändern, dafs die kapitalistische Unter-nehmung infolge Auflösung des Arbeitsprozesses dieArbeitsleistungen selbst differenziert hat und damitin die Lage versetzt ist, aus der Differenzierung derArbeitskräfte Nutzen zu ziehen.

War nun diese Thatsache auch wohl im allgemeinen schon bekannt,so ist sie doch erst jetzt durch die schon erwähnte, grofsartige Publi-