Dreifsigstes Kapitel. Der Kampf um die Arbeitskraft.
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Gesamteffekt, dafs das Angebot weiblicher Arbeitskräfte für aufserhaus-wirtschaftlicbe, insonderheit also gewerbliche Arbeit eine gewaltigeSteigerung erfahren hat. Das bedeutet aber nichts anderes alseinen ungeheueren Druck auf das Niveau der Lohn-sätze für ungelernte Arbeit, und zwar aus dem doppeltenGrunde: 1. weil es Weiber sind, die sich anbieten, also Personen,die schon ceteris paribus weniger fordern als die gleichwertigemännliche Arbeitskraft; 2. weil es in weitem Umfange (bei Ehe-frauen und Haustöchtern) Zuschufsverdienst ist, der erstrebt wird,wodurch abermals ein Motiv zu weiterer Senkung des Lohnniveausgegeben ist 1 .
Es kann nun wohl keinem Zweifel unterliegen, dafs diese Ent-wicklung des Arbeitsmarktes, wie sie im vorstehenden skizziert wurde,in dem Konkurrenzkämpfe, den das Handwerk mit der kapi-talistischen Unternehmung kämpft, jenem zum Schaden ausschlagenmufs. Von den Produktionsvorteilen, die die Verbilligung der Arbeits-kraft dem Konkurrenten gewährt, vermag in vollem Umfange nurder kapitalistische Unternehmer Nutzen zu ziehen, weil nur dieEigenart der kapitalistischen Organisation es ermöglicht, jene Scharenbilliger Arbeitskräfte der gewerblichen Produktion in ausgiebigerWeisedienstbar zu machen. Was ihre Beschäftigung in der Mehrzahl derFälle zur Voraussetzung hat, ist nämlich 1. die nur bei einer Pro-duktion in grofsem Mafsstabe durchführbare Differenzierung derArbeitsverrichtungen; 2. die Möglichkeit, die Arbeitskraft zu be-schäftigen, ohne mit ihr eine Ortsveränderung vorzunehmen. Esist ersichtlich, dafs beide Voraussetzungen von der kapitalistischen Unternehmung und nur von dieser erfüllt werden. Wir lernten be-reits als einen der Vorzüge dieser Wirtschaftsform ihre Fähigkeitkennen, durch Einstellung hochqualifizierter Arbeitskräfte einenProduktionseffekt zu erzielen, der in qualitativer Hinsicht denjenigendes Handwerkers weit hinter sich läfst. Ich wies aber damalsschon darauf hin, dafs diese Heraushebung besonders leistungs-fähiger, somit auch in der Regel besonders teuerer Arbeitskräfteaus dem allgemeinen Arbeiterpöbel eine notwendige Ergänzungfinden müsse in der Verbilligung der übrigen Arbeitsleistungen.Widrigenfalls würde die kapitalistische Unternehmung unter derVerteuerung der Arbeitskraft zu leiden haben, was ihr leicht Un-annehmlichkeiten im Konkurrenzkampf bereiten könnte. Was sievielmehr zu erreichen trachten mufs, ist dies: dafs ihr der Aufwand
1 Vgl. den Exkurs zu diesem Kapitel.