494 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
der weiblichen Erwerbsarbeit wirkte, war wiederum die Grundrenteund die durch sie erzeugte Mietspreissteigerung in allen modernenStädten. Je höher die Mieten steigen, desto kleiner werden dieBehausungen, also um so winziger die Existenzbasis für hauswirt-schaftliche Thätigkeit der Frau: man denke, wie nach und nach erstder Garten, dann der Stall, dann die Speisekammern, dann der Keller,dann der Boden für immer weitere Schichten der Bevölkerung un-erschwingbare Bestandteile einer Wohnung werden. Je höher aberder Zoll wird, den die Grundeigner der städtischen Bevölkerungin Form steigender Mieten abverlangen, desto zwingender dieNotwendigkeit, die Einnahmen zu erhöhen. Man kann den Effektdieser Entwicklung also wohl dahin formulieren, dafs man sagt:ein immer gröfserer Teil der früher von ihren Männern und Väternernährten Weiber mufs jetzt im Dienst der städtischen Grundrenten-bezieher arbeiten. Der Betrag des Verdienstes der weiblichenArbeiter in einer Grofsstadt wird etwa dem Betrage der Grund-rente gleichkommen, den derjenige Bevölkerungsteil, dem sie an-gehören, als Fron an einen anderen zu zahlen hat.
Was nun aber weiter noch die Eigenart des modernenFrauenerwerbes charakterisiert, ist dies, dafs er ganz und garseine Richtung verändert hat. Was früher von Frauen und Töchternder unteren Klassen Zuschufsverdienst aufser dem Hause suchte, fandihn überwiegend in der Verrichtung der Hilfsleistungen, die die wohl-habendere Bevölkerung für sich in Anspruch nahm: als Dienstboten,Wäscherinnen, Plätterinnen, Reinmachfrauen, Näherinnen und dergl.Diese Erwerbsquellen spielen dagegen heute nur noch eine unter-geordnete Rolle ^ erstens deshalb, weil abermals im Gefolge der obengekennzeichneten Einschränkung der hauswirtschaftlichen Thätigkeitauch der wohlhabenderen Familien viele jener Hilfsdienste nicht mehrverlangt werden; es wird weniger von fremden Personen im Hausegewaschen, geplättet, geschneidert u. s. w. Zweitens und vor allemaber deshalb, weil sich das Verhältnis zwischen den nachfragendenFamilien und dem Angebot von weiblichen Arbeitskräften zu Un-gunsten der letzteren naturgemäfs in dem Mafse verschoben hat,als die grofsen Haufen proletarischer Existenzen in die Städte ein-geströmt sind 1 .
So ergiebt sich denn der für unsere Betrachtung entscheidende
1 Siehe die interessanten Berechnungen bei A. Weber, die Entwicklungs-grundlagen der grofsstädtischen Frauenhausindustrie in den Schriften des Yer.für Soc. Pol. Band 85 (1899) XXXI f.