504
Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
faktorenverbilligung nannten. Die folgenden Kapitel werden siclinun mit dem Probleme zu befassen haben: wie sich die Konkurrenz-verhältnisse für Handwerk und Kapitalismus bei der Produktions-verbilligung gestalten.
Exkurs zu Kapitel 30.
Arbeitslöhne von Weibern.
Ich hatte anfangs die Absicht', einen Überblick über die thatsächlichenLohnverhältnisse der niedrigst gelohnten Arbeiterschichten, namentlich alsoder Weiber, zu geben und habe zu diesem Zwecke ein umfangreiches Materialgesamnelt. Nun sehe ich aber doch, dafs es gar keinen Zweck hat, die nacktenZiffern hier mitzuteilen. Erstens, weil es sehr wenig besagt, wenn ich weifs,dafs in Wien die nicht qualifizierten Arbeiterinnen etwa 4—5 fl. wöchentlichverdienen; dafs in der Berliner Kartonnageindustrie 61,80 °/o der Arbeiterinnenbei flottem Geschäftsgang einen Wochenverdienst von weniger als 12 Mk. haben,dafs in der Londoner Zuckerwarenbranche 91,6 % weniger als 12 /, 51,4 °/oweniger als 8/ Wochenlohn erhalten, oder dafs in Stockholm unter denArbeiterinnen 30,1 °/o mit einem Jahreseinkommen über 470 Kronen, 32,2 °/omit einem solchen von 365—470 Kronen und 37,7 % mit weniger als 365 KronenJahreseinkommen befunden wurden. Zweitens ist aber eine solche Statistikder effektiven Lohnhöhe für unsere Zwecke auch nicht notwendig. Hierfür ge-nügt vielmehr die wohl von niemandem angezweifelte Thatsache , dafs durchdas Angebot von ungelernten weiblichen Arbeitskräften Lohnsätze geschaffenwerden, die allerorts von denjenigen der gelernten Fabrikarbeiter, der Gesellenetc. ganz erheblich abweichen, meist nur die Hälfte oder gar ein Drittel jenerbetragen. Es mag dazu hier noch konstatiert werden, dafs die Tendenz, denArbeitslohn zu drücken, keineswegs abgeschwächt ist: es drücktdie gelernte weibliche Arbeitskraft auf die gleichwertige männliche, die un-gelernte auf die gelernte, die ungelernte weibliche auf die unqualifizierte männ-liche, die Ehefrau auf das ledige Mädchen, die Haustochter auf die Ehefrau,der Ankömmling auf die Kreolin, die Provinzlerin auf die Hauptstädterin.Interessante Angaben über diese Tendenz enthält die unten citierte Enqueteüber die Wiener Frauenarbeit auf S. 11. 41. 136. 144. 190. 224. 289. 342. 500.619. 650. Für Berlin wird die Richtigkeit dieser Beobachtung durch mannig-fache Zeugnisse bestätigt. Der „Konfektionär“ — gewifs in diesem Falle einsicherer Gewährsmann — schrieb in seiner Nummer vom 3. September 1899über die Lage des Arbeiterinnenmarktes: „Wenn auch billige Löhne für denUnternehmer von Nutzen sind, so fordert doch das Menschlichkeitsgefühl, denArbeiterinnen einen solchen Verdienst zu geben, dafs sie ihr Leben (!) mitgeringfügigen Ansprüchen davon fristen können. Allerdings kann man esden Unternehmern nicht verdenken, wenn sie die Arbeitslöhne nicht erhöhen ...In Posen . . existieren eine grofse Anzahl von Weifs- und Buntstickerinnen,die für Berliner Geschäfte arbeiten. Diese drücken selbst die Preise. Siebieten sich den Berliner Geschäften zu den niedrigsten Preisen an. EineArbeiterin will immer billiger wie die andere arbeiten, wenn