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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

Spanne Zeit eine gröfsere Menge von Produkten bei gleiehbleibenderGröfse der Produktionsbasis herzustellen vermag. Dieses Ziel kannich entweder dadurch erreichen, dafs ich die Arbeitszeit thunlichstmit der Produktionszeit in Übereinstimmung zu bringen suche,d. h. also einen kontinuierlichen Betrieb anstrebe; oder dadurch,dafs ich das Tempo des Produktionsprozesses selbst beschleunige,also in einer Spanne Arbeitszeit eine gröfsere Anzahl von Pro-duktionsakten zusammendränge.

Je mehr sich die Arbeitszeit mit der Produktionszeit deckt,desto weniger tote Zeiten ergeben sich, in denen Gebäude, Geräte,Maschinen u. s. w. ungenützt liegen. Die Armortisationsquote dessog. fixen Kapitals, die lediglich nach der Länge der Produktions-zeit bemessen wird, verteilt sich also auf eine um so gröfsere An-zahl Produkte, bildet also in dem einzelnen Produkt einen um sogeringeren Kostenbetrag, je mehr Erzeugnisse während der Er-neuerungsperioden der genannten Produktionsmittel mit ihnen her-gestellt werden. Die Kontinuität des Betriebes bringt aber auchnoch andere Ersparnisse mit sich: an Feuerungsmaterial u. dgl.Daher die Konkurrenz eine Tendenz zur Verlängerung bezw.Verewigung des Arbeitstages erzeugt, von der, wie be-kannt, Karl Marx schon, wenn auch in anderem Zusammenhänge,uns eingehend unterrichtet hat. Es fragt sich nun für uns: vermagdas Handwerk dieser Tendenz in gleicher Weise gerecht zu werdenwie die kapitalistische Unternehmung? Offenbar nicht. Und zwarin vielen Fällen schon deshalb nicht, weil die Kontinuität des Be-triebes an eine gewisse Mindestgröfse des Produktionsumfangs ge-knüpft ist 1 .

Was aber vor allem das Handwerk verhindert, in jenem Strebennach Kontinuität des Produktionsprozesses mit dem Kapitalismusgleichen Schritt zu halten, ist das, was man die Naturwüchsigkeitseiner Organisation nennen kann, ist mit andern Worten die That-sache, dafs das Wesen handwerksmäfsiger Produktion in derGebundenheit aller Produktionsfunktionen in der Persönlichkeit desHandwerkers beruht. Schon öfters haben wir den Vorsprung wahr-nehmen können, den im Konkurrenzkämpfe die kapitalistischeUnternehmung durch das gewinnt, was wir ihre Unpersönlichkeitnannten. Hier aber ist es wiederum vorhanden. Insbesondere wo

1 Meist wird allerdings wohl in diesen Fällen der Verdichtung desProduktionsprozesses eine Veränderung der Produktionsorganisation parallelgehen, wie geeigneten Orts nachzuweisen sein wird.

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