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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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509
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Einunddreifsigstes Kapitel. Die Ökonomisierung etc. 509

es sich um die Erreichung völliger Identität von Arbeits- undProduktionszeit handelt in der Tag- und Nachtarbeit kommtallein noch die kapitalistische Organisation in Betracht, die durchdie Einrichtung des Schichtwechsels den Arbeiter von denSchranken desnatürlichen Arbeitstages zu befreien vermag.

Was aber für die extensive Ausgestaltung des Arbeitstages gilt,behält auch bis zu einem gewissen Grade seine Gültigkeit, wo es sichum die Intensifikation der Arbeit selbst durch Beschleunigungdes Tempos der Produktion handelt. Dafs hierdurch abermalsbeträchtliche Vorteile erzielt werden, liegt auf der Hand, und zwarwesentlich aus denselben Gründen, die wir eben kennen lernten:je mehr Produktionsakte in eine Stunde Arbeitszeit zusammen-gedrängt werden, desto geringer ist die Belastung des einzelnenStücks mit Amortisations- und ähnlichen Kosten. Desto geringerist aber auch in vielen Fällen seine Belastung mit Arbeitskosten.Zunächst nämlich überall dort, wo die Entlohnung der Arbeitskraftim Zeitlohn erfolgt. Erhält der Arbeiter für eine Stunde einenbestimmten Lohnsatz und produziert er in dieser Stunde die doppelteMenge, so ist in deren Einheit der auf die Aufwendung für Arbeits-kräfte entfallende Kostenbetrag auf die Hälfte reduziert. Aber auchwo in Accord gearbeitet wird, profitiert der Unternehmer. Es isteine bekannte Thatsache, dafs der Stücklohn auf nichts anderesim Effekt hinauskommt, als dem Durchschnittsarbeiter diejenigeVergütung zu verschaffen, die er auch im Zeitlohn erhalten würde.Steigert sich die Intensität der Arbeit (denn das bedeutet die Be-schleunigung des Arbeitsprozesses), so hat das die selbstverständlicheFolge, dafs die Stücklohnsätze herabgesetzt werden. Das Systemdes Accordlohns dient also geradezu nur dem Zwecke, durchSteigerung der Arbeitsintensität die Arbeitskosten zu verringern.

Hat nun der Handwerker dieselbe Freiheit, den Arbeitsprozefszu beschleunigen, wie der kapitalistische Unternehmer? In derTheorie ja. Ich sehe wenigstens keinen principiellen Hinderungs-grund. In Wirklichkeit aber wird es ihm niemals gelingen, den-selben Intensitätsgrad der Arbeit zu erreichen, wie die kapitalistischeUnternehmung. Ich will gar nicht einmal die Rücksichtslosigkeitin Betracht ziehen, die das Kapital seiner Natur nach in der Aus-nützung der Arbeitskräfte besitzt. Es ist sehr leicht denkbar, dafswenigstens der Handwerker selbst, von der Not getrieben, seineArbeit ebenso verdichtet, wie der Lohnarbeiter. Aber was nie zuerreichen sein wird, ist die gleiche Arbeitsintensität bei seinenHilfskräften. Es ist bekannt, dafs im Handwerk mehrgebummelt