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Dreiunddreifsigstes Kapitel.
Handwerk und Maschine.
I. Die Kraftmaschinen.
Es ist noch gar nicht lange her — und hier und da findetman wohl auch noch heute Reste dieser Auffassung —, dafs es alsGlaubenssatz in Wissenschaft und Publikum galt: das Handwerksei der Maschinentechnik zum Opfer gefallen; der Maschinentechnik,was denn in der Vorstellung der meisten Leute nichts anderes alsdie Dampfmaschine bedeutete. Angesichts dieses Glaubens wirdman den Jubel verständlich finden, der sich in den Kreisen allerHandwerksfreunde erhob, als es der Technik gelang, durch Nutzungvon Naturkräften, die gefügiger als die Dampfkraft waren, Kraft-quellen in den kleinsten Dimensionen herzustellen, wie sie seiteinigen Jahrzehnten in den Heifsluft-, Druckluft-, Benzin-, Petroleum-,Gas- und Elektromotoren sich allgemeine Anerkennung errungenhaben. Man sah eine neue Ära handwerksmäfsiger Produktion schonvor der Thür, die „Grofsindustrie“ mit ihren centralisierten Be-trieben schien dem Untergange geweiht.
In Deutschland , wo man ja bis heute immer noch eine Vorliebefür das kleinlich - spiefsbürgerliche Wesen bewahrt hat, erstandenjener Auffassung von der Renaissance des Handwerks auf der Basisder Kleinkraftmaschinen besonders viele begeisterte Vertreter, zumalunter den Technikern.
„Durch die Kleinkraftmaschinen,“ schrieb ein Autor im Jahre1870*, „haben wir eine Epoche der Rückbildung, der Decentrali-sation vor uns. So wie wir seit etwa einem halben Jahrhundertdas Kleingewerbe an Terrain verlieren sahen der Grofsindustriegegenüber, die Schritt für Schritt das erstere aus einem Gewerbe-
1 Jo 11, Die wichtigsten Kleinkraftmaschinen etc. (1870).