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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Vierunddreifsigstes Kapitel. Allgemeines. Hemmungen etc. 541

dort, wo jene (homogenen) Bedingungen längst erfüllt sind, wotheoretisch längst von handwerksmäfsiger Produktion keine Redemehr sein sollte, wir diese doch noch antreffen. Wie in allerWelt erklärt es sich, dafs in einer Grofsstadt noch ein einzigerhandwerksmäfsiger Friseur, ein einziger handwerksmäfsiger Bäcker,Fleischer, Tischler, Schlosser sein Dasein fristet, die letzteren, so-weit sie keine reinen Reparaturhandwerker sind?

Die allgemeine Antwort auf diese Frage wird die sein müssen:dafs es offenbar noch andere als die in den beiden vorangehendenAbschnitten auseinandergesetzten Gründe für das Obsiegen imKonkurrenzkampf geben wird, anders ausgedrückt, unter An-lehnung an die im Geleitwort entwickelten Gedankengänge: dafsheterogene Bedingungen von einer Stärke sich entfalten, dieim stände ist, die Wirksamkeit der homogenen Bedingungen zuparalysieren. Solcherart Hemmungen lassen sich nun zwei Gruppenunterscheiden:

1. Hemmungen, die auf seiten der Nachfrage,

2. Hemmungen, die auf seiten des Angebots wirken.

Die ersteren kann ich kurz erledigen.

Man begegnet hier häufig dem Hinweis, dafs einedecen-tralisierte Produktion der Bequemlichkeit des Publikums entgegen-komme, dafs sich das Handwerk oft deshalb am Leben erhalte,weil jeder seinen Friseur, seinen Bäcker, seinen Fleischer in derNähe haben wolle. Das ist unklar gedacht. Erstens will daskeineswegs jedermann, die meisten lassen sich auf dem Wege ausdem Geschäft rasieren, die Hausfrauen haben sich schon lange ge-wöhnt, in den Markthallen ihr Fleisch zu kaufen und die Bäckerschicken in die entferntesten Stadtteile ihre Wagen oder ihreAusträger. Zweitens kann auch das kapitalistische Unternehmensehr wohl dem Bedürfnisse einer Decentralisation seiner Betriebs-stätten nachkommen: dazu sind Filialen da. Die wahren Gründefür das vielfach auffallend langsame Vordringen kapitalistischerOrganisation scheinen mir, soweit sie auf Seite der Nachfrage wirken,vor allem in folgenden Konsumtionsraomenten zu liegen:

1. Überall dort, wo die kapitalistische Unternehmung unsbesser, dafür aber teurer liefert, fehlen bei unseremheutigen Reichtumsniveau doch noch die Käufer, die nötig sind,um genügenden Absatz zu garantieren. Das gilt für einen grofsenTeil der qualitativ hochstehenden Tischlerei, Schlosserei, Bäckerei,Fleischerei, Schneiderei etc. etc. Erst in dem Mafse, wie die