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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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546
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546 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

liehe Untersuchung auf die Frage einzustellen: welche Bedeutunghat für die Konkurrenzfähigkeit des Handwerks der genossenschaft-liche Betrieb (in einzelnen Punkten oder im ganzen), so lautet dasThema im letzteren Falle: welche Bedeutung für die Konkurrenz-fähigkeit des Handwerks hat eine erleichterte Kreditbeschaffung.

I. Die Bedeutung des Kredits für das Handwerk.

Unterstellt wird, dafs alleäufserenHindernisse, die einer denBedürfnissen des Handwerks entsprechenden Kreditbeschaffung imWege stehen, sei es durch genossenschaftliche, sei es durch gemein-wirtschaftliche Veranstaltungen aus dem Wege geräumt seien *, derHandwerker somit denjenigen Kredit im vollen Mafse empfange,dessen er fähig ist. So entsteht die Frage, was ihm damit geholfensei. Um darauf die Antwort zu geben, wird es zweckmäfsig sein,sich eine einigermafsen klare Vorstellung von den Leistungendes Kredits zu machen, eine klarere, als sie bei den meistenTheoretikern des Handwerks sich vorzufinden pflegt.

Was man gemeinhin unter der Bezeichnung des produktivenKredits zusammenfafst, ist keineswegs gleichen Wesens, wenn mandie Funktion in Rücksicht zieht, die die dargeliehene Wertsummeim Produktionsprozesse auszuüben bestimmt ist. Diese Funktion

suchen, hei derStädtischen Bank eine Einrichtung zu treffen, wonachGewerbetreibenden und kleineren Kaufleuten hiesiger Stadt Darlehne von 300bis 3000 Mark gegen Bürgschaft zu mäfsigen Zinsen und zu ratenweiser Zurück-zahlung gewährt werden. Hierfür soll ein Kapital von einer Million Mark inAussicht genommen werden. (Der Antrag wurde abgelehnt.)

1 Dafs dies in Deutschland heute thatsächlich der Fall sei, unterliegt fürmich keinem Zweifel. Insbesondere bieten die Schulze-Delitzschen Darlehns-kassen dem Handwerker alle vernünftigerweise zu verlangende Kulanz. Die128712 selbständigenHandwerker, die im Jahre 1900 Mitglieder dieser Kassenwaren, stellen denn auch m. E. alles dar, was auch nur von ferne im deutschenHandwerk Kreditwürdigkeit besitzt. Dazu kommen noch in Preufsen die vonden Regierungsorganen in die Höhe getriebenen Innungs- und ähnlichen Hand-werkerbanken, denen als Vermittlungsstelle die durch Gesetz vom 31. Juli 1895ins Leben gerufene staatliche Centralgenossenschaftskasse wertvolle Unter-stützung leistet. Der Umsatz der C.G.K. überstieg im Etatsjahr 1901 bereits4 Milliarden Mk. (4010 245 360,10 Mk.) S. Erläuterungen zu demEtat derVerwaltungs-Einnahmen und Ausgaben der preufsischen Central-Genossenschafts-kasse für das Etatsjahr 1902. S. 8. Vgl. über die genannte EinrichtungHeiligenstadt (jetziger Direktor), Die preüfsische Centralgenossenschafts-kasse. 1897. Eine dankenswerte ausführliche Darlegung des heutigen Standesdes genossenschaftlichen Kredits für Handwerker enthält die Schrift vonA. Retzbach, Die Handwerker und die Kreditgenossenschaften. 1899.