Fünfunddreifsigstes Kap. Der Traum v. d. Handwerkergenossenschaften. 545
und besser als bisher zu verwerten. Aufserdem mufs es ihnen aberauch möglich gemacht werden, zum Ankauf von Materialien unddesgleichen zur Bestreitung der Auslagen einer Haushaltung sichgegen mäfsige Zinsen die erforderlichen Geldmittel zu verschaffen.Diesen beiden Aufgaben zu genügen, hat man in neuerer Zeit eben-falls das Mittel der Association versucht und an mehreren Ortensog. Industrie-, Gewerbs- und Verkaufshallen begründet 1 .“ Imweiteren Verlauf der Schrift finden sich dann die meisten Artenvon Handwerkergenossenschaften aufgezählt und angepriesen, die manseitdem aus der Praxis kennt und als deren Vater gemeinhinSchulze aus Delitzsch genannt zu werden pflegt 2 3 * * . Es sind dieswie bekannt:
1. Kreditgenossenschaften;
2. Rohstoffgenossenschaften;
3. Werkzeuggenossenschaften;
4. Werk- (Produktiv-)genossenschaften;
5. Absatz- (Magazin-)genossensc.haften.
Die letzten vier Arten kann man als Betriebsgenossenschaftenzusammenfassen und den Kreditgenossenschaften gegenüberstellen.Bei einer Würdigung der genannten Bestrebungen wird man gutthun, diese beiden Kategorien getrennt zu behandeln, da sie, wiesich zeigen wird, herzlich wenig Berührungspunkte miteinanderhaben. Jedenfalls sind die Probleme, die sie stellen, ganz und garvon einander verschieden und nur die unglückliche Vereinigungunter den nichtssagenden Sammelbegriff der „Genossenschaft“ hatDinge zusammengestellt, die innerlich weltenfern von einander ab-liegen. Während nämlich in den Betriebsgenossenschaften that-sächlich die Idee der genossenschaftlichen Produktion den Kern-punkt des Problems bildet, ist diese bei den Kreditgenossenschaftenein zufälliges Moment. Bei letzteren ist das Entscheidende dieKreditbeschaffung, die zwar meist in unserem Falle durch genossen-schaftliche Organisation der Beteiligten erfolgt, aber keineswegsimmer nur in dieser Form zu erfolgen braucht; vielmehr kann auchdurch staatliche oder städtische Anstalten derselbe Zweck erreichtwerden 8 . Haben wir also im ersteren Falle unsere wissenschaft-
1 a. a. 0. S. 10/11.
2 H. Schulze, Mitteilungen über gewerbliche und Arbeiterassociationen.1850. Derselbe, Assoziationsbucb für deutsche Handwerker und Arbeiter,1853 und zahlreiche spätere Schriften.
3 In dem Augenblick, in dem ich dies schreibe (Oktober 1900), liegt der
Breslauer Stadtverordnetenversammlung der Antrag vor: den Magistrat zu er-