548 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
offenbar zu Dank der Beteiligten erreicht. Der Löwenanteil derkreditgenossenschaftlichen Entwicklung fällt bekanntlich auf dieLandwirtschaft. Dagegen hat in Handwerkerkreisen derartigeKreditgewährung augenscheinlicherweise die gehegten Erwartungennicht erfüllt. So schreibt ein guter Kenner des deutschen Hand-werks * 1 : „Auch wo Kreditvereine bestehen, sind keineswegs alleHoffnungen in Erfüllung gegangen, die man im Interesse der desPersonalkredits bedürftigen Erwerbsklassen gehegt hatte. In denSchulze-Delitzschen Vereinen sind die Handwerker, für die dieseKreditorganisation hauptsächlich ins Leben gerufen worden war,sehr zurückgedrängt worden. Sei es, dafs die mancherlei Krisen,die über die Kreditvereine zeitweilig hereingebrochen sind, dieHandwerker abschrecken, sei es, dafs die Aufnahmebedingungenallzu sehr verschärft worden sind, dafs der heutige Handwerkerdie Bedingungen nicht erfüllen kann, welche diese Vereine nachihrer Organisation stellen müssen, sei es schliefslich, dafsder kurzfristige Kredit, der dort zu haben ist, demHandwerker wenig helfen kann, Thatsache ist, dafs dieHandwerker in diesen Vereinigungen wohlhabenden MitgliedernPlatz gemacht haben. Im Jahre 1871 betrug die Zahl der Hand-werker im Mitgliederbestände der Schulze-Delitzschen Kreditvereine36,8 °/o, 1894 war der Anteil auf 26,3% zurückgegangen 2 .“
Und in der That: was sollte denn auch ein derartiger Kreditdem Handwerk nützen, das um seine Existenz kämpfte? Einkulanter Cirkulationskredit kann wohl aus einem schlecht geführtenHandwerksbetriebe einen gut geführten machen , aber was er nievermag, ist: einen Handwerker über sich selber hinaus zu heben,einem Handwerksbetrieb diejenige Vermögensbasis zu geben, dieihn im Konkurrenzkämpfe mit dem Kapitalismus widerstands-fähiger macht, kurz einen Handwerker in einen kapitalistischenUnternehmer umzuwandeln. Und darauf kommt’s doch imGrunde an.
die Rückzahlung denken, da sein Betriebskapital sich zum gröfsten Teil nureinmal im Jahre umsetzt.“ Schulze-Delitzsch (H. Crüger), Vorschufs-und Kreditvereine als Volkshanken. 6. Aufl. 1897. S. 183.
1 Hugo Böttger, Die preufsische Central-Genossenschaftskasse inSchmollers Jahrbuch XX (1896). 229/30.
2 Zu Beginn 1900 war er schon auf 25,7 °/o gesunken; zu Beginn 1901auf 25,5%. Vgl. Jahrbuch des Allgem. Verbandes der auf Selbsthilfe be-ruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften für 1900. S. 143 hezw.S. XXI.