552 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
Anteil erheblich unterschätzen, den die persönlichen Qualitäten desProduktionsleiters an dem Erfolge haben. Gilt das allgemein fürjede Produktionswirtschaft, so in erhöhtem Grade für die kleinstenGebilde kapitalistischen Charakters. Man wird den Satz aufstellenkönnen, dafs in gewissem Sinne die Anforderungen an die persön-lichen Fähigkeiten des Unternehmers im umgekehrten Verhältnissezur Gröfse seines Unternehmens stehen, dafs jedenfalls die Existenz-fähigkeit dessen, was wir kleinkapitalistische Unternehmungennennen, an die Voraussetzung einer gesteigerten persönlichen Be-gabung und Energie des Leiters geknüpft ist, und zwar Begabungnicht für technisches Arbeiten, sondern für die Bewältigung der vonder modernen kapitalistischen Wirtschaftsweise gestellten spekulativ-kaufmännischen Aufgaben.
Wie man also auch das Problem anfassen mag, immer führteine vorurteilslose Prüfung zu demselben Ergebnis, dafs es eineUtopie ist, an die „Rettung des Handwerks“ mit Hilfe des Kreditszu glauben. Was vielmehr in Wirklichkeit der Kredit zu leistenvermag und was er bei ungehinderter Entwicklung auch thatsäch-lich leisten wird, ist eine Beschleunigung des Zersetzungs-prozesses, in dem sich das Handwerk befindet. Mit seiner Hilfenämlich wird die Bildung einer beschränkten Anzahl kleinkapita-listischer Unternehmungen, d. h. also, wird sich die Auslese der lebens-fähigen Elemente unter den Handwerkern rascher vollziehen können,als es sonst der Fall sein würde. Was wir als wahrscheinlicheWirkung der modernen Maschinentechnik glaubten hinstellen zusollen, erscheint somit auch als der einzige Effekt, den der Kreditauf die Entwicklung des Handwerks ausüben kann: seinen Todes-kampf abzukürzen, dadurch, dafs man die für kapitalistische Lebens-weise geeigneten Persönlichkeiten rascher von den Fesseln hand-werksmäfsiger Produktionsweise befreit.
II. Die Bedeutung der Betriebsgenossenschaften für
das Handwerk.
Es sind hier zu behandeln die Genossenschaften für gemeinsamenEinkauf der Rohstoffe oder Werkzeuge, für gemeinsame Produktionund für gemeinsamen Absatz der Erzeugnisse. Unterstellt wird,dafs eine Verwirklichung der genossenschaftlichen Organisationthatsächlich eine Steigerung der Widerstandskraft des Handwerksim Gefolge habe 1 . Zu untersuchen ist: ob bezw. bis zu welchem
1 Dafs dies immerhin nur in beschränktem Maße der Fall sein würde,kann nach dem, was wir über die Gründe des Niedergangs handwerksmäfsiger