Fünfunddreifsigstes Kap. Der Traum v. d. Handwerkergenossenschaften. 553
Umfange die Anwendung dieses Mittels für das Handwerk imBereiche der Möglichkeit liegt.
Befragen wir zunächst die Statistik, so ergiebt sich, dafs inDeutschland und Österreich, den beiden Ländern, in denen alleindie Handwerkerbetriebsgenossenschaft von irgend welcher Be-deutung ist, bis heute von einer nennenswerten Entwicklungüberhaupt noch nicht die Rede ist. Die praktische Handwerker-genossenschaftsbewegung nimmt in Deutschland um dieselbe Zeitihren Anfang, in der wir die ersten Äufserungen einer theoretischenPropaganda der Genossenschaftsidee hervortreten sehen: in den1840er Jahren. Die ersten Genossenschaften, die von Handwerkernins Leben gerufen wurden, waren (Tischler-)Magazingenossen-schäften, sog. Gewerbehallen, von denen die frühesten die
1846 „ Frankfurt a/M. und Wiesbaden
begründeten sind * 1 . Die ersten Rohstoffvereine waren wohl dievon Schulze in den Jahren 1849/50 geschaffenen Rohstoff bezugs-genossenschaften der Schuhmacher und Tischler in Delitzsch . DieEntwicklung der verschiedenen Kategorien von Handwerker-genossenschaften seit jener Zeit wird durch folgende Ziffern zumAusdruck gebracht 2 .
Produktion in Erfahrung gebracht haben, keinem Zweifel mehr unterliegen.Ganz abgesehen davon, dafs immer nur einzelne Handwerker überhaupt an denSegnungen der Betriebsgenossenschaften teil haben könnten, sojdarf doch nichtvergessen werden, dafs im besten Falle auch die genossenschaftliche Organisationdem Handwerker wiederum nur den Körper der kapitalistischen Unternehmungverleihen würde, aber nicht ihre Seele: die kaufmännische spekulative Qualifikationihres Leiters. Und unzählige andere Eigenschaften der kapitalistischen Unter-nehmung, die dieser den Sieg im Konkurrenzkämpfe verschaffen, werden einerHandwerkergenossenschaft immer ahgehen: vor allem ist es die Yersatilitätgegenüber Konjunkturen, gegenüber neuen Verfahrungsweisen, gegenüber derGestaltung des Arbeitsmarktes etc., die immer eine Prärogative der kapitalisti-schen Unternehmung bleiben wird.
1 Danach sind die Angaben in Zeidlers und Crügers Geschichts-darstellungen zu berichtigen. Ygl. F. Daei, a. a. 0., S. 11—19; ferner: „DieGewerbehallen, ein Mittel zur Hebung des Gewerbestandes“ in den SchlesischenProvinzialhlättern 1847, S. 31 ff.
2 Vgl. Jahrbuch des Allgemeinen Verbandes etc. für 1899. S. IX.Desgl. für 1900 S. XIII f. XXX f.