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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Sechsunddreifsigstes Kapitel.

Der Verkrüppelungsprozefs des Handwerks.

Im folgenden sind die Fälle zu untersuchen, in denen esthatsächlich dem Handwerker gelingt, seinem Gegner im Kon-kurrenzkämpfe die Stange zu halten, weil er zu gleichen oderniedrigeren Preisen dieselbe Leistung wie jener feilbietet. DieseEventualität tritt ein unter zwiefacher Bedingung: entweder indemder Handwerker den Preis unter die eigenen Produktionskostenherabdrückt oder indem er die Produktionskosten selbst vermindert.

I. Verkauf unter den Produktionskostenmufs notwendig früher oder später zum Ruin des Produzenten führen,sobald dieser auf den Erwerb aus seiner Produktionsthätigkeit an-gewiesen ist. Er kann jedoch lange Zeit hindurch geübt werden,wenn der Produzent von anderswoher die Ausfälle zu decken ver-mag, die ihm beim Verkauf seiner Erzeugnisse erwachsen.

Wir haben in anderem Zusammenhänge (vgl. das 27. Kapiteldes ersten Bandes) die zahlreichen Fälle kennen gelernt, in denender Handwerker in die Lage versetzt wird, von solcherart Zuschufs-werten zu leben. Bald ist es der ererbte Besitz namentlich vonHäusern, bald sind es die Zuschüsse aus den Kreisen der wohl-häbigen Verwandtschaft 1 , bald die Einkünfte aus irgend welchemNebenerwerb, die dem Handwerker einen Rückhalt gewähren undes ihm ermöglichen, gewerblich thätig zu Preisen zu sein, bei denener ohne jene Zuschufswerte verkommen müfste. An das allesbraucht in diesem Zusammenhänge nur erinnert zu werden.

1 Mit Recht wird die gröfsere Zähigkeit des Handwerks in reichenBauerngegenden auf diese Zuschufswerte zurückgeführt, die die bäuerlichenVerwandten dem Handwerker in der Stadt nachwerfen. Vgl. U. IV, 492 f.

Sombart, Der moderne Kapitalismus. II. 36