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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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562
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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

Aber wir sehen auch den Handwerker konkurrieren, wo jeneaufserordentlichen Ressourcen nicht oder jedenfalls nicht allein dieUnterlage seiner Existenz abgeben, wo er diese vielmehr zu einembeträchtlichen Teile oder ganz auf die Einkünfte aus gewerblicherThätigkeit basiert. Hier mufs er also zu Preisen verkaufen, dieihm einen Verdienst übrig lassen, und wenn er trotzdem mit derkapitalistischen Herstellungsweise konkurrieren will, so setzt dasvoraus, dafs es ihm gelingt, eine

II. Herabminderung der Produktionskosten

herbeizuführen. Dafs eine solche in der Form der Produktionsver-billigung nicht möglich ist, bedarf nach den früheren Darlegungenkeiner weiteren Begründung. Es kann sich vielmehr immer nurum eine Produktionsfaktorenverbilligung handeln. Umzu einer solchen zu gelangen, bieten sich dem Handwerker je nach-dem drei verschiedene Wege dar; der erste dieserWege ist

1. die Verlegung der Produktionsstätte aus der Stadtaufs Land. Zwar haben wir gesehen, dafs eine solche nicht inder Weise erfolgen kann oder wenigstens nur in Ausnahmefällenerfolgt, dafs der städtische Handwerker, den die Grundrente ausden Centren des Verkehrs herausquetscht, nun sein Domicil ineinem Vorort oder in einem benachbarten Dorfe aufschlagenkönnte, wohl aber so, dafs die Stelle eines konkurrenzunfähigwerdenden städtischen Handwerkers eine Zeit lang ein D orfhand-werker einnimmt. Letztere erscheinen somit in einzelnen Fällenals eine Art von Reserve, die auf dem Kampfplatze erscheint, wenndie städtische Hauptarmee bereits im Weichen begriffen ist; eineReserve allerdings eigner Art, sofern sie nicht dazu dient, dieweichenden Genossen zu stärken, sondern sie um so früher zumUntergange zu bringen. Wenn der Landhandwerker aufser seinenwohlfeileren Produktionsbedingungen, die er dem Fehlen der städti-schen Grundrente verdankt, auch noch, wie es die Regel ist, überZuschufswerte verfügt, so werden wir es begreiflich finden, wasunsere Quellen des öfteren hervorzuheben wissen, dafs die Kon-kurrenz dieser Kollegen vom Dorfe den Genossen in der Stadt oftebenso empfindlich wird wie die der kapitalistischen Unternehmung.Diese durch niedrigere Lebens- und Produktionskosten begünstigteLandkonkurrenz, schreibt ein kundiger Berichterstatter 1 ,die

1 Pierstor ff in U. IX, 2/3. Andere Fälle, in denen über die Konkurrenzvon Landhandwerkern geklagt wird, siebe in diesem Werke Bd. I S. 628.