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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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563
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Seclisunddreifsigstes Kapitel. Der Verkrüppelungsprozets d. Handwerks. 563

häufig aus der Verbindung des Gewerbebetriebs mit landwirt-schaftlichen Nebenbetrieben besondere Vorteile zieht und teilweisedurch die regelmäfsigen Wochen- und Jahrmärkte vermitteltwird, tritt bisweilen gleichzeitig mit der Konkurrenz der Fabrik-ware auf.

Was hier aber als Konkurrenz zwischen Handwerkern er-scheint, hat in der allgemeinen Betrachtung die Bedeutung erstenseiner Beschleunigung der Auflösung des städtischen Handwerksund zweitens diejenige einer Hemmung der Gesamtentwicklung, diezu der Vernichtung handwerksmäfsiger Produktion überhaupt hin-drängt.

Der zweite Weg, der den Handwerker zu einer Verminderungder Produktionskosten führt, ist

2. die Ersparung an den sachlichen Produktions-faktoren durch deren Verkümmerung. Hierher gehörtalles, was wir von der Unzulänglichkeit der Werkstätten, von derUnsauberkeit des Betriebes, von dem Mangel an hygienischen u. a.Schutzvorrichtungen aus den Kreisen des Handwerks erfahren.Und das ist nicht wenig. Man braucht nur an die Zustände imBäckergewerbe zu denken 1 , man braucht nur einen beliebigenHandwerksbetrieb mit dem entsprechenden Fabrikbetriebe zu ver-gleichen, um sich von der Bedeutung zu überzeugen, den die Ver-nachlässigung alles Komforts, aller Wohlanständigkeit in der äufserenGestaltung des Produktionsprozesses für die Bemessung der Pro-duktionskosten gewinnen kann 2 .

Parallel mit der Verkümmerung der sachlichen Produktions-faktoren pflegt zu gehen

3. die Herabsetzung der persönlichen Lebens-ansprüche des Meisters und seiner Familie. Es wurde schon an

1 Zu vergleichen aufser den früher genannten Schriften die Zusammen-stellung aller Mifsstände in der jüngsten Publikation über das Bäckergewerbevon W e i c h s, Brotfrage (1898). S. 16 f. insbes. 22 ff.

2Viele kleine Meister wohnen mitsamt ihrer Familie derart beschränktund sanitätswidrig, dafs sie oft geradezu das Mitleid des inspicierenden Be-amten herausfordern; in einem kleinen Zimmer, das Werkstätte, Wohnung undKüche darstellt, lebt die ganze Familie grofs und klein, oh gesund oder krank;hier wird im Sommer und Winter von früh morgens bis spät abends ge-arbeitet, gekocht, gewaschen, geschlafen, meist ohne jeden andern Luftwechsel,als das Öffnen der Thür mit sich bringt. Aus dem Bericht des Klagen-further Gewerheinspektors, cit. hei Waentig, 336. Daselbst auch nochweitere quellenmäfsige Belege für diegänzliche Mittellosigkeit vielerMeister.

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