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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
anderer Stelle auf die bekannte Erscheinung hingewiesen, dafs imweiteren Verlauf der kapitalistischen Entwicklung sich Teile desHandwerkerstandes eine Zeit lang noch dadurch über Wasser zuhalten suchen, dafs sie ihre eigenen Bedürfnisse beschränken. DemHandwerker gelingt es dadurch in der That oft genug, die Preiseauf ein Niveau herabzudrücken, auf das ihm auch die kapitalistischeUnternehmung nicht folgen kann. Wenn der kleine Meister bei12 oder 14stündiger Arbeitszeit, wohl gar unter Einsetzung derArbeitskraft seiner Familienangehörigen *, nicht mehr oder garweniger verdient, als der Gehilfe der Fabrik, so bedeutet das fürdie Gestaltung der Preise eine doppelte Reduktion:
1. eine Verbilligung des persönlichen Produktionsfaktors;
2. eine Eliminierung des Profits, wenn wir diese kapitalistischeKategorie auch auf den Mehrverdienst anwenden wollen, den derHandwerksmeister in normalen Fällen über den Lohn seiner Ge-sellen hinaus bezieht. Auf diesen „Profit“ kann der Handwerker amletzten Ende verzichten; der kapitalistische Unternehmer nicht.Deshalb ist es auch im Princip nicht richtig, zu den Vorteilen derkapitalistischen Unternehmung die Verringerung der auf das Einzel-produkt infolge vermehrter Produktion entfallenden Profitquote zurechnen. Zunächst bedeutet es ja einen offenbaren Vorsprung,den der kapitalistische Produzent vor dem Handwerker altenSchlages voraus hat, dafs er seinen Profit auf eine verhältnismäfsigviel gröfsere Menge Produkt verteilen kann. Wenn der Meisterauf jedes Paar Stiefeln 2 Mk. aufschlug und damit, wenn er zweiGesellen beschäftigte, zu einem „Profit“ von täglich 6 Mk. kam,so kann der Schuhwarenfabrikant diesen Aufschlag auf 50 Pfg.pro Paar ermäfsigen und hat doch bei einer Tagesproduktion von etwa200 Paar Stiefeln, einen „Profit“ von täglich 100 Mk. Bei fort-schreitender Entwicklung jedoch ändert sich, wie gesagt, oft genugdas Bild: der Profitzuschlag des Handwerkers sinkt dauernd (dasist die Pointe) auf 0 und fällt damit unter die irgend noch zu-lässige Quote der kapitalistischen Unternehmung.
1 „Teilweise mufs die Frau im Gewerbebetrieb selbst helfen, das ist viel-fach der Fall bei den Schneidern, Pantoffelmachern, Schuhmachern, Kürschnern,Mützenmachern, Buchbindern etc. Vor allem aber liegt ihr der Handel mitden erzeugten Produkten ob; die zahlreichen Ladengeschäfte werden meistvon der Frau besorgt, besonders bei den Bäckern, Fleischern, Schuhmachern,Drechslern, Kammmachern, Bürstenmachern, Korbmachern, Buchbindern, auchder Hausier- und Markthandel ist bei den Gewerben, bei denen er noch vor-kommt, ganz oder teilweise Sache der Frau.“ U. IX, 346. Siehe auch dasStichwort Frauenarbeit im Index der U.