Sechsunddreifsigstes Kapitel. Der Verkrüppelungsprozefs d. Handwerks. 565
Aus der vereinten Wirksamkeit der beiden unter 2 und 3 ge-kennzeichneten Entwicklungsreihen erklärt sich dann das seltsamePhänomen: dafs den noch leidlich situierten Handwerkern ausden Reihen ihrer ärmeren und ärmsten Kollegen eineoft vernichtende Konkurrenz erwächst, eine Hungerkonkurrenz,die häufig genug schlimmer als die Konkurrenz der kapitalistischen Unternehmung ist. „Das ist die hier wie überall wiederkehrendeKlage, dafs der Preis allmählich herabgedrückt werde, besonders beiden Submissionen, und zwar nicht durch die gröfseren, fest be-gründeten Geschäfte, sondern durch kleine, allzu bedürfnisloseMeister 1 .“ „Was dem Blechner allein Sorge macht, ist . . . dasstetige Fallen der Preise, verursacht durch das Unterbieten beiSubmissionen und den Arbeitshunger der kleinsten Betriebe . . 2 .“
Endlich aber gelingt es, fast ist man versucht zu sagen:in wachsendem Umfange, vielen Handwerksmeistern, die nochHilfskräfte beschäftigen, auch an diesen zu sparen. Zwarist, wie wir gesehen haben, der Handwerker im allgemeinen in derAusnutzung der billigen Arbeitskräfte, die von der modernen Ent-wicklung freigesetzt werden, der kapitalistischen Unternehmunggegenüber im Nachteile. Nur an einer einzigen Stelle haben es dieVerhältnisse mit sich gebracht, dafs dem Handwerker mehr billigesArbeitsmaterial zur Verfügung steht als jener, dort nämlich, wo essich um lernbeflissene, jugendliche Elemente meist männlichen Ge-schlechts handelt, die aus alter Gewohnheit mit dem Namen Lehr-linge bezeichnet werden und von deren Verwendung als billigeArbeitskräfte, wie zu zeigen ist, das Handwerk in neuerer Zeitausgiebigen Gebrauch macht. Die Wichtigkeit des Gegenstandeserheischt eine gründlichere Erörterung des Problems, wie sie imfolgenden Kapitel versucht wird.
1 U. III, 80 (Baukandwerker in Karlsruhe ).
2 ü. III, 173/74. Vgl. noch U. III, 214. IX, 491.