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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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571
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Siebenunddreifsigstes Kap. Die Ausbeutung jugendl. Arbeitskräfte etc. 571

mit Beschlag belegt, so dafs er also auch von dieser Seite her zumgefürchteten Konkurrenten seines früheren Lehrherrn wird b Sohat der Meister nur ein Interesse, die junge Kraft so sehr alsmöglich und vor allem auch so lange als möglich für sich auszu-nutzen. Die Lehrzeit ist, wie übereinstimmend anerkannt wird,heute fast überall erheblich länger von den Innungen normiert, alssie selbst bei idealster Lehrmethode zu sein brauchte. Das kommtu. a. zum Ausdruck in dem sehr verbreiteten köstlichen Grundsatz,dafs derjenige Lehrling, der weniger lange lernen will, mehrLehrgeld zahlen mufs.

Wollte aber nach alledem noch jemand zweifeln, dafs das Lehr-verhältnis heute im Handwerk, man darf wohl ohne Übertreibungsagen, in der grofsen Mehrzahl der Fälle nur ein Deckmantel fürdie Ausnutzung einer jugendlichen Arbeitskraft ist, den müfsten dieübereinstimmend in allen Gewerben lautwerdenden Klagen überden Mangel an tüchtigen Arbeitern vollkommen von derRichtigkeit jener Auffassung überzeugen.Aus den Berichten dermit Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten, der Handels-und Gewerbebekammern, aus den anläfslich gewerblicher Enquetendeponierten Aussagen, aus den Spalten der Fachzeitschriften, ausden Verhandlungen technischer und gewerblicher Vereine und Ver-bände hört man nur zu oft die, Klage heraus, dafs die Arbeits-geschicklichkeit und mit ihr in Wechselwirkung stehend die Arbeitslustder am Produktionsprozefs unmittelbar Beteiligten viel zu wünschenübrig lasse. Mit diesen Worten leitet Paul Scheven 1 2 sein ver-dienstliches Buch über die Lehrwerkstätte ein, in dem das ganze ersteKapitel derquellenmäfsigen Darstellung der Klagen über Mangelan qualifizierten (gelernten) Arbeitern in Deutschland gewidmet ist.Nach dem dort aufgestapelten reichen Materiale, das in allenwesentlichen Punkten seine Bestätigung neuerdings wieder durchdie Untersuchungen des Vereins für Socialpolitik gefunden hat, istjener Mangel an geschulten Arbeitern thatsächlich eine allgemeineErscheinung und, was uns hier allein angeht, der zuverlässigsteBeweis für die von mir aufgestellte Behauptung, dafs es sich beiden Lehrlingen im Handwerk der Regel nach nicht mehr umLernende handelt, sondern um billige Arbeitskräfte, derenSchweifs

1Bei dieser Sachlage mufs der einzelne Meister notwendig das Interessean der Ausbildung verlieren; kommt doch die erworbene Geschicklichkeit derjungen Gesellen nicht ihm, nicht einmal seinem Stande zu gute, sondern stärktim Gegenteil die grofsbetriebliche Konkurrenz. U. IV, 314.

2 P. Scheven, a. a. 0. S. 1779. Vgl. übrigens den Exkurs.