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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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570
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570 Drittes Buch. Die Theorie der gewerhlichen Konkurrenz.

Lübben halten neben 11 Gesellen 25 Lehrlinge 1 u. s. w. Derartigeunsinnige Zahlenverhältnisse kommen nur allzu häufig vor.

Mag man nun aber auch die Uberfüllung der Werkstätte mit Lehr-lingen hingehen lassen, so werden denn doch Bedenken sich erheben,ob das heutige Handwerk jene Hunderttausende junger Leute, dieihm Zuströmen, auszubilden imstande ist. Wie in aller Welt sollteeine Klasse, die mit dem Tode ringt, einen solchen Aufschlag auf dieProduktionskosten vertragen können, wie sie in einer meist gratisoder gegen ein geringes Entgelt (aus Gründen, die wir noch kennenlernen werden) beanspruchten Erziehung zur Arbeit notwendig er-wächst? Das heutige Handwerk ist ökonomisch aufser stände, auchnur einen normalen Lehrlingsstamm auszubilden, geschweige dennjene Armeen von jungen Leuten, die jährlich neu in die Cadresdes Handwerks einrolliert werden. Es wäre auch technisch dazuganz und gar nicht mehr geeignet. Was soll ein Lehrling in denverödenden Werkstätten des Handwerkers heutzutage lernen, indenen nur noch minderwertige Dinge oder Specialartikel hergestelltoder (was vielerorts, wie wir wissen, die Regel bildet) Reparaturenausgeführt werden? Das Urteil, das über dieAusbildung derLehrlinge im Berliner Schlosserhandwerk gefällt wird, dafs näm-lich die Meister einfach nicht imstande seien, dem Lehrling dienötigen Anweisungen zu erteileneinmal nötigt ihn seine ge-drückte ökonomische Lage, in demselben mehr einen jugendlichenArbeiter als einen Lernenden zu sehen und auf der anderen Seiteist sein Arbeitsgebiet zu beschränkt, um dem Lehrling hinreichendeAnregung und Gelegenheit zur Erlernung aller im Schlosserhand-werk vorkommenden Arbeiten zu geben 2 3 darf ohne weiteresauf aufserordentlich zahlreiche andere Fälle ausgedehnt werden.

Hat nun aber der Meister unter den heutigen Verhältnissenüberhaupt ein Interesse an gewissenhafter Ausbildung seiner Lehr-linge? Das Raisonnement eines Posener Tischlers:Warum sollendie Lehrlinge ebenso viel lernen, wie wir können, um uns späterals Meister Konkurrenz zu machen? 8 , ist gewifs das vieler seinerKollegen, um so mehr als dem Meister noch aus einem weiterenGrunde die Lust an der Ausbildung seiner Lehrlinge genommen wird:wird ja doch, wie wir beobachten konnten, jeder Geselle, der etwasleistungsfähiger ist, sofort von der kapitalistischen Unternehmung

1 ü. VII, 508/9.

2 U. IV, 314. Für Österreich zahlreiche Belege wieder bei Waentig,334 ff.

3 U. I, 91.