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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Siebenunddreifsigstes Kap. Die Ausbeutung jugendl. Arbeitskräfte etc. 569

beinahe die der erwachsenen: mehr als neun Zehntel betragen siebei den Buchdruckern, Tapezierern, Barbieren, Friseuren undSchlossern; bei letzteren sind um die Hälfte mehr halberwachseneBurschen als erwachsene Hilfskräfte beschäftigt. Was das heifst,kann man ermessen, wenn man etwa die Zustände in der Grofs-industrie damit vergleicht: die Zahl der jugendlichen Arbeiter (unter16 Jahren) und Lehrlinge beiderlei Geschlechts belief sich in denBetrieben mit mehr als 20 Arbeitern im Durchschnitt der ge-samten Industrie (GruppeB) auf nur 10,1% der erwachsenenArbeiter. In den mitgeteilten Ziffern kommt in der That meinesErachtens eines der bedeutsamsten Ergebnisse der Gewerbezählungvon 1895 zum Ausdruck, der zahlenmäfsige Nachweis nämlich derThatsache:

dafs heute das Handwerk, soweit es überhauptnoch Hilfskräfte beschäftigt, seine Existenz-fähigkeit grofsenteils auf der Ausbeutung un-reifer Arbeitskräfte aufbaut.

Denn darüber kann nach dem, was wir über Art und Erfolg ihrerBeschäftigung wissen, heutzutage kein Zweifel mehr herrschen, dafses sich bei jenen jugendlichen Arbeitern nicht nur, sondern imwesentlichen auch bei jenen sogenanntenLehrlingen, nicht umjunge Leute handelt, die zum Zwecke systematischer Ausbildung,sondern um solche, die lediglich im Interesse des Meisters als billigeArbeitskräfte beschäftigt werden. Selbst den besten Willen des Meistersund die Erfüllung aller sonstigen Bedingungen einer guten Lehrevorausgesetzt: müfste nicht die hohe Zahl der zumLernen an-genommenen jungen Leute die fachgemäfse Ausbildung vereiteln?Schon wenn wir den Durchschnitt zu Grunde legen: wie sollen dreiLehrlinge neben vier Gesellen in einem Betriebe etwas rechteslernen? Aber in wie viel Fällen wird dieser Durchschnitt nochum ein beträchtliches überschritten! Wer kann sich ein Lern- undLehrverhältnis in folgenden Betrieben vorstellen? In der Nürn-berger Schlosserei hat ein Meister 2 Gesellen und 6 Lehrlinge,einer einen Gesellen und 11 Lehrlinge 1 ! Auf 4 Schneidergesellenin Löbau kommen 23 Lehrlinge 2 . Die Schlosser in Eisleben be-schäftigen 3 Gesellen und 33 Lehrlinge 3 , die Klempner ebendort5 Gesellen und 17 Lehrlinge 4 ; die Tischler (Innungsmeister) in

1 U. III, 444. 480.

2 U. IY, 198 f.

3 U. IX, 331.

4 U. IX, 333.