Siebenunddreifsigstes Kap. Die Ausbeutung jugendl. Arbeitskräfte etc. 573
Es betrug deren Zunahme (1882—95) bei Fleischern 9089, Friseurenund Barbieren 8472, Bäckern (und Konditoren) 11 705, Schornstein-fegern 315, Stubenmalern 6564, Tapezierern 2947.
In anderen, und zwar den meisten Gewerben verspricht nunaber der handwerksmäfsige Zwergbetrieb kein Auskommen mehr;wenn wir in diesen starke Vertretung jugendlicher Arbeitskräftefinden, so mufs dies auf andere Ursachen zurückgehen als aufden noch immer wirksamen Reiz, sich als Handwerker eine „selb-ständige“ Existenz zu schaffen.
Was wir bei unserer Untersuchung zunächst festzustellen haben,ist dies: dafs starke Besetzung der jugendlichen Altersklassen ineinem Gewerbe nicht identisch ist mit einem starken Zustrom zudiesem Gewerbe. Jene kann vielmehr auch bei verringerterAnziehungskraft des betreffenden Gewerbes vorliegen, dannnämlich, wenn die erwachsenen Hilfskräfte sich in einer nochstärkeren Proportion vermindern, als der Nachschub erfolgt. Wirhaben es in diesen Fällen mit Gewerben zu thun, die die Tendenzhaben, als Handwerke abzusterben, die von den erwachsenenArbeitskräften schon meist verlassen sind, und deren Nachwuchsvielfach nur noch aus Krüppeln, Schwachsinnigen und ähnlichenElementen besteht 1 , die sonst nirgendswo Unterkunft finden, ab-gesehen natürlich von demjenigen Bestandteile, der der Schwer-kraft der Tradition sein Dasein verdankt. Zu dieser Kategorievon absterbenden Handwerken möchte ich den gröfstenTeil derjenigen Gewerbe rechnen, deren kleinbetrieblicher Nach-wuchs noch nicht 25% der „Selbständigen“ ausmacht; alsobeispielsweise:
Schuhmacher 21,9 °/oGerber 21,6 „
Kürschner 20,2 „
Seiler 18,3 „
Mützenmacher 14,8 ,,
Hutmacher 13,2 „
Wollweber 8,1 „
1 „Die Arbeiterschaft des kleinstädtischen Handwerks (rekrutiert sich)zum grofsen Teil aus Krüppeln, Blinden, Einäugigen und halben Idioten .. .“Korbmacherei in Eisleben U. IX, 324. „Fast nur verkrüppelte oder zu länd-licher und industrieller Thätigkeit untaugliche Leute widmen sich diesemHandwerk.“ Schuhmacher in Loitz U. I, 39.