XII
Geleitwort
Erde verändert sich von Grund auf; die Neubildungen sind einstweilennoch zu unbestimmt, um sie in ihrer typischen Geltung zu erfassen u. a. m.
Sodann hat mich zu der Begrenzung der Wunsch bestimmt, diesesWerk zu einem in sich geschlossenen Ganzen zu gestalten und es vorder Gefahr des Yeraltens zu bewahren. Hätte ich die Untersuchungin die Kriegs- und Nachkriegszeit hinein fortgeführt, so wäre sie ver-gattert, im Sande verlaufen, im Nebel untergetaucht, da ihr keinfester Abschluß hätte zuteil werden können. Und vor allem: jede Ziffer,jede Feststellung, die das Jahr 1926 betrifft, hat im Jahre 1927 schonkeine Gültigkeit mehr. Jedes Jahr nach 1914 ist ein völlig willkürlichangenommener Zeitpunkt, der ebensogut ein anderer sein könnte.
Aber ich glaube, daß auch ein i nn erer Grund die Begrenzung durchden Kriegsausbruch rechtfertigt: mit ihm ist das Zeitalterdes Hochkapitalismus plötzlich zu Ende gegan-gen, nachdem es während der letzten Jahre vor 1914 schon An-zeichen seines Ablaufs aufzuweisen hatte.
Diese Anzeichen sind: die Durchsetzung der rein naturalistischenDaseinsweise des Kapitalismus mit normativen Ideen; die Entthro-nung des Gewinnstrebens als des allein bestimmenden Richtpunktsdes wirtschaftlichen Verhaltens; das Nachlassen der wirtschaftlichenSpannkraft; das Aufhören der Sprunghaftigkeit in der Entwicklung; dieErsetzung der freien Konkurrenz durch das Prinzip der Verständigung;die konstitutionelle Verfassung der Betriebe.
Das alles sind, wenn man den Vergleich beliebt, Alterserschei-nungen : der erste ausfallende Zahn, der erste Ansatz zum Embonpoint,das erste graue Haar. Wer die Entwicklung seit dem Kriege auf-merksam verfolgt, kann nicht im Zweifel darüber sein, daß der Kapi-talismus in das geruhsame Zeitalter, ganz gewiß noch nicht: desGreisentums, aber der „besten Jahre des Mannes“ eingetreten ist. DieZeit des tatkräftigsten Mannesalters ist vorbei: die letzten „Vierziger“haben begonnen.
Die Epochenbildung, wie ich sie hier vornehme, folgt aus der Grund-einstellung dieses Werkes: wonach es der Geist ist, der der Zeit, auchder Wirtschaftsperiode, ihr Gepräge gibt. Und der kapitalistische Geistist es, der eine Wandlung erfahren hat. Von anderen Grundeinstellungenaus kommt man zu andern Einteilungen. So würde nach den Auf-fassungen etwa Friedrich Naumanns oder JohannPlen-ges der Hochkapitalismus wohl eigentlich erst in den ersten Jahr-zehnten des 20. Jahrhunderts oder gar erst während des Krieges b e -