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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Geleitwort

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ginnen, weil in dieser Zeit die Beherrschung des Marktes, die Or-ganisation der Industrie, die Durchrationalisierung aller wirtschaft-lichen Beziehungen: Erscheinungen, die jene Denker als Wahrzeichendes Hochkapitalismus betrachten, erst recht ihren Anfang nehmen.

Was zugunsten meiner Auffassung spricht, ist dieses: daß mit deneben genannten Merkmalen die besondere Eigenart des kapitalistischen Wirtschaftssystems nicht bezeichnet wird. Dasorganisatorische Den-ken ist doch gewiß nichts spezifisch Kapitalistisches, wie es das freieWalten des kapitalistischen Unternehmers, das frische Draufgängertum,der Primat des Gewinnstrebens sind. Sonst wäre ja die kommuni-stische Planwirtschaft der höchste Ausdruck des Kapitalismus. Ganzim Gegenteil: wo die Grundsätze normativer Ordnung anfangen, be-stimmenden Einfluß zu gewinnen, schwindet der Kapitalismus lang-sam dahin.

II.

Die Eigenart dieses Bandes, durch die er sich von den ersten beidenunterscheidet, wird durch zwei Umstände bestimmt: die erdrückendeFülle des Stoffes und das immer schärfere Hervortreten der kapita-listischen Wesenszüge. Beide Umstände drängten eine straffere Linien-führung auf: die Fülle des Stoffes machte sie notwendig, die fort-schreitende Verwirklichung der kapitalistischen Idee machte sie möglich.

Zugute kam mir dabei der Umstand, daß der Stoff, der zu ver-arbeiten war, im wesentlichen, dem Fachmann wenigstens, bekanntund in leicht erreichbaren Nachschlagewerken oder einschlägigenMonographien zusammengestellt ist, während ich ihn für die frühereZeit großenteils erst selbst herbeischaffen und vor dem Leser ausbreitenmußte. Der vorliegende Band ist deshalb bis zu einem gewissenGrade stoffärmer als die beiden vorausgehenden und in demselbenMaßetheoretischer,konstruktiver als diese.

Die Leitgedanken, die das Buch durchziehen, ergeben sich danachvon selbst; es sind diese:

1. Dargestellt wird die Entfaltung des Kapitalismus, den wir alsEinheit fassen, so daß alle volkswirtschaftliche Betrachtung, allerLänderkampf ausgeschaltet werden; der moderne Kapitalismus wirdin seinem Ablauf als einmalige Erscheinung, alshistorisches Indi-viduum betrachtet. Er ist mit keiner andern Wirtschaftsepoche ver-gleichbar. Gilt das schon für den Frühkapitalismus, der immerhinverwandte Züge mit der Wirtschaftsentwicklung andrer Kulturen