Geleitwort
XXI
den „praktischen Volkswirt“. Die großen welthistorischen Entwick-lungslinien, soweit sie durch die Wirtschaft allein bestimmt werden,liegen deutlich zutage: bis zur Gegenwart, aber auch in die Zukunfthinein. Unserem Erkennen und der schöpferischen Kraft der System-und Theoriebildung sind dadurch Schranken gesetzt: die Fülle der uner-bittlichen Tatsachen zwingt unser Denken in ganz bestimmte Bahnen.
Deshalb aber, weil wir so viel mehr wissen als die Früheren, könnenwir auch nicht mehr an die schöpferische Kraft des Kapitalismusglauben, wie Marx es konnte, der am Anfang des Weges stand. Wirwissen, daß bei dem ganzen, lauten Gebaren nichts von irgendwelchemKulturbelange herausgekommen ist, und daß auch in aller Zukunftnichts dabei herauskommen wird.
Gewiß: wir brauchen darum keine Kulturpessimisten zu sein,brauchen an der Zukunft der Menschheit nicht zu verzweifeln. Aber wirmüssen dann imsern Optimismus anderswoher als aus dem Ideenbereicheder kapitalistischen Welt heraus begründen, wie Marx es tat: wirkönnen nicht mehr in derselben Bichtung weiterblicken, in der sich dieWeltgeschichte bewegt, nicht mehr an das glauben, was sich zwangs-läufig aus dem Kapitalismus ergibt; wir können das Heil nur in einerUmkehr und Abkehr von ihm erblicken. Wir können deshalb auchden Kapitalismus nicht mehr als die heilige Mutter verehren, die denErlöser im Schoße trägt.
Und aus allen diesen Gründen können unsere Erkenntnisse vomWesen des Kapitalismus auch nicht mehr zu großen, praktisch-politi-schen Programmen ausgewertet werden, wie es etwa die Systeme der„Klassiker“ oder eben auch und gerade das Evolutionsschema vonMarx wurden. Deren Gesicht war vorwärts gerichtet, das unsereschaut zurück.
Unnütz zu sagen, daß dadurch jede Darstellung der kapitalistischen Welt heute ein nüchternes Gepräge tragen muß, ganz unabhängig vonder Begabung des Darstellers selbst. Auch ein Marx vermöchte heute,wenn er sich überhaupt dieser mühseligen Aufgabe unterziehen undein System der kapitalistischen Wirtschaft schreiben wollte, nichtsanderes als ein in sich selbst ruhendes Erkenntnisgebilde zu schaffen.Daß auch das Werk eines genialen Menschen, der sich heute mit demWirtschaftsleben theoretisch und historisch befaßt, jenes Zaubers derÄlteren entbehrt, hat Max Weber uns gezeigt.
So können wir zusammenfassend sagen: was Marx sprach, wardas stolze erste Wort über den Kapitalismus, in diesem Werke wird