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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Geleitwort

die notwendige Vorstufe einer besseren, einer idealen Gesellschaft be-trachten. Und das eben hat M a r x ja getan. Für ihn war der Kapitalis-mus der willkommene Stoff, aus dem er die Zukunftswelt aufbaute.Was er an Entwicklungstheorien zusammenschaute, waren die Linien,in denen die Entwicklung seinem Willen gemäß verlaufen sollte. Unddie Zustände waren noch so unbestimmt, der Möglichkeiten gab es nochso viele, daß der Glaube leicht geweckt werden konnte: die Linienseien richtig gezogen. Unter diesem Gesichtspunkte müssen wir seineseltsamen Fehlurteile über die schrankenlose Steigerung der Produktivi-tät, über die allgemeineKonzentration der Betriebe, über den notwen-digen Zusammenbruch des Wirtschaftsgebäudes und vieles andere, was erlehrte, betrachten, um ihm gerecht zu werden. Das noch unbestimmteWesen des Kapitalismus machte diesen geeignet, zum Vollstrecker derWünsche, die Marx im Herzen trug, zu werden. Darum aber, weilMarx ihm diese hohe Aufgabe stellte, aus sich das herauszutreiben,was er ersehnte, 1 i e b t e er im Grunde seiner Seele den Kapitalismus:Marx hat, was nicht scharf genug betont werden kann, zu allemWesentlichen der kapitalistischen Welt eine positive, be-jahende Stellung eingenommen. Wie hätte er die Mutter, um seineigenes Bild zu gebrauchen, verachten und hassen können, die ja inihrem Schoße das heißersehnte Kind: die neue, bessere Welt austrug.Marx war also durchaus Kulturoptimist.

Aus seiner gesamten Einstellung folgte nun aber, daß die ganzeWissenschaft, die er trieb, ausschließlich auf praktische Ziele gerichtetwar: das ganze System wurde ja nur aufgebaut, um dem Vollstreckerseines Willens, dem Proletariat, eine wirksame Waffe in seinem Be-freiungskämpfe zu schmieden.

Zieht man alle diese Umstände in Betracht, unter denen Marxschuf, so wird man die geniale Veranlagung des Mannes voraus-gesetzt den unvergleichlichen Zauber verstehen, der das Marx seheWerk umwebt, wird aber auch die nachhaltige Wirkung begreiflichfinden, die es bis heute auszuüben imstande gewesen ist.

Wie vieles hat sich nun aber in dem halben Jahrhundert verändert,seit Marx schaute, dachte und schrieb!

Das Land des Kapitalismus ist erforscht, mit Wegen durchzogen,mit Ansiedlungen bedeckt: von einem Ende zum andern in allen Teilenvermessen und mit trigonometrischen Punkten bezeichnet. Fragen, dieden Zauber der Neuheit haben, können wir nicht mehr stellen. Wirmüssen uns mit Antworten begnügen. Probleme gibt es nur noch für