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Erstes Kapitel
Die Bedeutung des kapitalistischen Unter-nehmers
I. Treibende Kräfte im Wirtschaftsleben
Wir wollen die geschichtlichen Zusammenhänge „verstehen“ aufGrund unserer Kenntnis der menschlichen Ratio und der menschlichenTriebwelt, wie wir sie in unserm Bewußtsein erfahren. Deshalb bleibenalle metaphysischen Betrachtungen ausgeschlossen. Zudiesen aber gehört die Frage: ob treibende Kräfte im gesellschaftlichenHandeln der Menschen „letzten Endes“ etwa überempirische Wesen-heiten sind, die über unsere Köpfe hinweg mit uns spielen, man magsie sich spiritualistisch als „Geist“ oder materialistisch als „Naturgewalt“Vorstehern Womit auch die Frage nach einer Geist- oder Natur„gesetz-mäßigkeit“ unbeantwortet bleibt. Aber auch so verschwommene Be-griffe wie „die Anforderung der Zeit“ oder „das volkswirtschaftlicheBedürfnis“ sagen uns nichts, wenn wir nach den treibenden Kräften im\ sozialen Geschehen Ausschau halten. Übrigens soll sich auch der Sozial-philosoph, dessen Aufgabe die Metahistorie ist, klar darüber sein, daßalle überempirischen Wesenheiten, wenn sie in der Geschichte wirkensollen, konkretisiert werden, Gestalt gewinnen, also durch das Seelen-leben lebendiger Menschen hindurchgehen müssen.
Dasselbe sollen sich diejenigen gesagt sein lassen, die allzu vorschnellden „ Sinn“ ‘ einer Geschichtsepoche, wie der des Kapitalismus mit den Kräf-ten, die in ihr wirksam sind, gleichsetzen. Wirklichkeitsferne Philosophie-und Theologieprofessoren beglücken uns immer wieder mit sehr tief-sinnigen Konstruktionen, in denen etwa der moderne Wirtschaftsmenschaus irgendeiner Weltanschauung heraus in seiner Eigenart gedeutet, zu„verstehen“ versucht wird. Die Deutung mag richtig sein, so sagt sieimmer noch nichts darüber aus, ob das Geschehen in dieser Zeit, ob dieHandlungen des wirkenden Menschen mm auch an dieser Weltanschauungorientiert gewesen sind, und wenn ja: in welchem Umfange sie es waren.Hier liegt auch der Mißbrauch, der mit der Max Web ersehen Kalvinis-mus-Theorie von ungenügend unterrichteten Laien immer wieder ge-