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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Erstes Kapitel: Die Bedeutung des kapitalistischen Unternehmers 7

trieben wird. Selbst zugegeben, daß der Sinn der kapitalistischen Wirt-schaft eine innere Verwandtschaft mit der puritanischen Frömmigkeitaufweist, so ist damit noch nicht bewiesen, daß auch nur ein einzigesBerg-werk abgeteuft, ein einziger Hochofen angeblasen ist aus Triebkräftenheraus, die in j ener Frömmigkeit ihre stärkste oder überhaupt eine Wurzelhaben. Man wird deshalb, wenn man die geschichtlichen Zusammenhängeüberblickt, immer geneigt sein, solcheSinnmotive zu relativieren, wieich es bei der Darstellung der Entstehung des Kapitalismus in meinemBourgeois getan habe und hier wieder tun werde.

Ebenfalls auf einer unstatthaften Gleichsetzung von Sinnverstehenund Geschichtsverstehen (noetischem und genetischem Verstehen, wie ichsie genannt habe: vgl. näheres in meinemProletarischen SozialismusBand I) beruht die im marxistischen System beliebte Einstellung vonKategorien wie etwa demVerwertungsstreben des Kapitals'als Kausal-faktoren in die Erklärung eines geschichtlichen Vorgangs. Obgleich Marxund seine Schule die treibenden Kräfte der Geschichte in der richtigenEbene gesucht und größtenteils gefunden haben, nämlich in der Vital-sphäre, so begehen sie doch oft genug den Fehler der einseitigen Spiritua-listen, daß sie Sinnzusammenhänge ohne weiteres als wirksame Kräfteansprechen. Ein solcher Sinnzusammenhang und nicht mehr ist aberzweifellos das vielberufeneVerwertungsstreben des Kapitals, das sichnämlich als der innerste Kern des kapitalistischen Wirtschaftssystemsenthüllt. Als solcher aber darin haben die Gegner des Marxismuszweifellos recht kann er nicht treibende Kraft wirtschaftlichen Ge-schehens sein. Es ist schiereMystik,das Kapital irgendetwas be-wirken lassen zu wollen, das heißt also, ein gesellschaftliches Beziehungs-verhältnis zu einer treibenden Kraft im sozialen Leben zu erklären.Welcher Zwischenglieder es bedarf, um jenen Sinnkern des kapita-listischen Wirtschaftssystems nun auch tatsächlich als Wirkungskerndes nach dem Bild dieses Wirtschaftssystems gestalteten Wirtschafts-lebens verstehen zu können, habe ich früher des öfteren schon dargelegtund werde ich im folgenden wiederum zu zeigen haben.

Als wirksame Kräfte im Ablauf der Geschichte können wir aber auchnicht gelten lassen Zustände irgendwelcher Art, selbst wenn sie em-pirische sind. Es ist erstaunlich, wie leichtfertig oft genug irgend-welche gesellschaftliche Verumständung als Ursache sozialen Geschehensangesprochen wird.

Als obArbeitsteilung oderKonkurrenz oder ähnliche Er-scheinungen, die doch selbst nichts als Wirkungen sind, ihrerseitsUr-