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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Erster Abschnitt: Die treibenden Kräfte

Systems abspielt. Es versteht sich, daß überall dort, wo heute der Kapita-lismus noch nicht oder nicht mehr das herrschende Wirtschaftssystemist also in der Sphäre der Bauernwirtschaft, des Handwerks, derGemeinwirtschaft auch andere Wirtschaftssubjekte die Entscheidungtreffen. Von ihnen wird an einer anderen Stelle zu sprechen sein. Hier be-schäftigen uns zunächst die kapitalistischen Wirtschaftssubjekte alsdiejenigen, deren Geist dem gesamten Zeitalter seinen Stempel aufdrückt.

Aus dem, was ich in den ersten beiden Bänden über das Wesen derkapitalistischen Wirtschaft und die Stellung des Unternehmers in ihr aus-geführt habe, kennt der Leser dessen Funktionen: Kapital und Arbeit zu-sammenzubringen, Richtung und Umfang der Produktion zu bestimmen,die Verbindung zwischen Produktion und Konsumtion herzustellen. Wirbezeichnen die kapitalistische Art der Wirtschaftsführung wohl auchals unternehmungsweise Wirtschaft und meinen damit, daß sie auf dasRisiko des Unternehmers erfolgt, das heißt: daß dieser alle Gewinn- undVerlustchancen trägt.

Dietreibende Kraft in der modernen, kapitalistischen Wirtschaftist also der kapitalistische Unternehmer und nur er. Ohne ihn geschiehtnichts. Er ist darum aber auch die einzigeproduktive, das heißt schaf-fende, schöpferische Kraft, was sich unmittelbar aus seinen Funktionenergibt. Alle übrigen Produktionsfaktoren: Arbeit und Kapital befindensich ihm gegenüber im Verhältnis der Abhängigkeit, werden durch seineschöpferische Tat erst zum Leben erweckt. Auch alle technischen Er-findungen werden erst durch ihn lebendig.

Wenn ich den Unternehmer als solchen schöpferisch nenne, so hatdas den Sinn, daß tatsächlich in jedem einzelnen Falle, auch dort, wo essich um eine beliebige, kleineUnternehmung handelt, die in ausgefahrenenBahnen fährt, irgendwelche produktive Tätigkeit nicht anders zustandekommt, als durch die Mittlerschaft des kapitalistischen Wirtschafts-subjekts. Zwischen diesen gibt es nun aber natürlich wesentliche Unter-schiede im Grade der Produktivität. Wie in allen Massen gibt es auchin der Unternehmerschaft immer wenige Eminenzen mit eigenenGedanken und eigenen Entschlüssen, die ihre eigenen Wege gehen unddenen die vielen andern nachfolgen. Die innere Struktur des kapitalisti-schen Wirtschaftssystems bringt es mit sich, daß der Entschluß- undTatkraft der Wenigen ein weiterer Spielraum gelassen ist als in andernWirtschaftssystemen. Man kann deshalb sagen, daß gerade die hoch-kapitalistische Wirtschaft in ihrem gesamten Bau aus der schöpferischenInitiative der Wenigen hervorgewachsen ist.