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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Erstes Kapitel: Die Bedeutung des kapitalistischen Unternehmers H

kollektivistisch gebundener, traditionalistischer Wirtschaft war. Trotz-dem lassen sich natürlich auch für diese Zeit diejenigen Schichtenbezeichnen, von deren Entscheide die Gestaltung der Wirtschaft ab-hing. Es waren auf dem Lande die Grundherren und deren Vögte(man denke an Neusiedelungen!), die Klosterherrn, die Bauern-ältesten; in der Stadt die patrizischen Kaufherrn, hervorragende Zunft-älteste, die energischen Stadträte.

Dann kam die Neuordnung des Wirtschaftslebens im Zeitalter desErühkapitalismus. Diese ist, wie ich das ausführlich dargestellt habe,des Werk zunächst einzelner weniger, unternehmender Geschäftsmänner,die aus allen Schichten der Bevölkerung: Adel, Abenteurer, Kaufleute,Handwerker hervorwuchsen, die aber lange Zeit hindurch zu schwachwaren, um das Wirtschaftsleben in neue Bahnen zu lenken. Nebenihnen müssen wir als die maßgebenden Wirtschaftsführer jener Zeit dieenergischen Fürsten, wie Gustav Wasa, Friedrich M., Franz I. und nament-lich deren leitende Beamte wie Colbert ansprechen. Das wirtschaftlicheEnergiezentrum hat lange Zeit hindurch in den Regierungsstuben gelegen.Wir müssen, um die Mechanik der frühkapitalistischen Wirtschaft zuverstehen, uns Aussprüche wie den jenes klugen, deutschen Kameralistengegenwärtig halten, der meinte: zur Verbesserung der Manufakturen ge-hörten Klugheit, Nachdenken, Kosten und Belohnungen und der dannzu dem Schlüsse kommt:Das sind Staatsbeschäftigungen; der Kauf-mann aber bleibt bei dem, was er gelernt hat und wie er es gewohnt ist.Er bekümmert sich nicht um die allgemeinen Vorteile seinesVaterlandes.Der Staat ist es, der vielmals die Privaten an den Ohren herbeizieht,damit sie sich als kapitalistische Unternehmer betätigen. Er stößt undtreibt sie mit Gewalt und Überredung in den Kapitalismus hinein. DasBild der körperlichen Nötigung, das ich hier gebrauchte, ist der Schrifteines anderen kameraüstischen Schriftstellers des 18. Jahrhunderts ent-lehnt, der da meint:daß der Plebs von seiner alten Leier nicht abgeht,bis man ihn bei Nase und Arme zu seinem neuen Vorteile hinschleppe.Vgl. Band I. Seite 844 ff.

Es ist nun das besondere Kennzeichen des hochkapitalistischen Zeit-alters, daß in ihm die gesamte Leitung im Wirtschaftsleben aufdie kapitalistischen Unternehmer übergegangen ist, die nunmehr,der Gängelung durch Staatsorgane entwachsen, als die Wirtschaftssub-j ekte der inneren Wesenheit der kapitalistischen Wirtschaft entsprechenddie alleinigen Organisatoren des wirtschaftlichen Prozesses gewordensind, soweit dieser sich im Rahmen des kapitalistischen Wirtschafts-