Drittes Kapitel: Die Entfaltung der wirtschaftlichen Energie 37
wollen, das ist aber die Gewinnerzielung. Ich habe diese Mediatisierungdes subjektiven Zweckes des kapitalistischen Unternehmers in derkapitalistischen Unternehmung die Objektivierung des Gewinn-strebens genannt und habe damit, wie mir scheint, Unklarheiten be-seitigt, die bisher in der Auffassung von Sinn und Wesen der kapita-listischen Wirtschaft bestanden. Was ich oben als die unerlaubte Herein-ziehung des „Sinnes“ dieser Wirtschaft in den Kausalzusammenhangihrer Wirklichwerdung bezeichnete, findet hier seine Aufklärung underfährt seine bedingte Anerkennung. Sieht man die Zusammenhängein der Weise, wie ich sie eben gezeigt habe, so kann man auch getrostden Marxschen Ausdruck: „das Gewinnstreben des Kapitals“ ge-brauchen. Man entfernt sich nicht von dem Boden der Wirklichkeit,indem man diese Sinnbezeichnung des kapitalistischen Wirtschaftensin ihrer Beziehung zu den real treibenden Kräften: der Motivation deskapitalistischen Unternehmers bringt dadurch, daß man diese als eineden Sinn der kapitalistischen Wirtschaft notwendig, das heißt ebendurch die Objektierung des Gewinnstrebens, erfüllende aufweist.
Diese Auffassung vom Sinn und Zweck der kapitalistischen Unter-nehmung, die ich zuerst und ausführlicher in dem Aufsatz über den kapita-listischen Unternehmer entwickelt habe, wird von allen kapitalistischen Unternehmern, sie mögen persönlich dem Gelderwerb so fern stehen wiemöglich, in vollem Umfange geteilt. Wie sollte es auch anders sein, als daßder Unternehmer in der „Blüte des Geschäfts“, das heißt eben im „Rentieren“des Geschäfts, den Sinn seines Strebens erblickt?
So heißt es, um nur ein paar prominente Stimmen sprechen zu lassen,von Emil Rathenau : „Sein strenger Grundsatz, den er auch allen Mit-arbeitern einschärfte, war: wir müssen für die Aktionäre Geld verdienen,eine andre Aufgabe haben wir nicht, dafür sind wir angestellt; wir habennur dann unsere Schuldigkeit getan, wenn das Unternehmen großen Ge-winn bringt.“ A. Riedler, a. a. 0. S. 207. Henry Ford, der als sein per-sönliches Motiv immer wieder den „Dienst am Gemeinwohl“ bezeichnet,äußert sich dazu wie folgt: „Mein Werk würde nicht als erfolgreich, sondernim Gegenteil als ein glatter Mißerfolg gelten können, wenn ich nicht aucheinen angemessenen Gewinn für mich und meine Geschäftsteilnehmer her-auswirtschaftete.“ Mein Leben und Werk, S. 190.
b) Das Ungeheuer, das wir kapitalistische Unternehmung nennen, hatnun aber auch einen eigenen Verstand. Denn in ihm haust der ökono-mische Rationalismus ganz losgelöst von der Person des Inhabers unddes Personals. Dieses bedeutet — seiner Mystik entkleidet — folgendes:
Ökonomisch rationelle — das heißt der Rentabilität der Unter-nehmung objektiv angemessene — Geschäftsmethoden bilden sich imLaufe der Zeit aus — allein durch Erfahrung. Nun ist es aber ein Kenn-