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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Erster Abschnitt: Die treibenden Kräfte

Zeichen der hochkapitalistischen Wirtschaftsepoche, daß in ihr derUmfang jener Geschäftsmethoden unausgesetzt bewußt und geflissentlich-ausgeweitet wird durch selbständige, haupt- und nebenberuflich, zumTeil erwerbsmäßig, das heißt selbst zum Zwecke des Gewinns geübteTätigkeit zur künstlichenErzeugung von ökonomischem Ratio-nalismus; vom Professor der Betriebswissenschaft über die Bücher-revisoren, Kalkulatoren bis zu den Fabrikanten von allerhand Büro-bedarf, wie Schreib-, Rechen- und Zählmaschinen, Briefordner, Kontor-möbel zermartern sich täglich Tausende und Abertausende von Menschendas Hirn, um Mittel und Wege ausfindig zu machen, durch die derökonomische Rationalismus gesteigert werden könnte. Es bestehenschon eigene Organisationen zur Verfolgung dieses Zieles, wie die Arbeits-gemeinschaft deutscher Betriebsingenieure (ADB) u. a. Das Ergebnisdieser vielfachen Bemühungen ist ein heute schon hoch entwickeltes,stetig sich vervollkommnendes System zweckmäßiger Verhaltungsmaß-regeln (einschließlich der zu ihrer Durchführung notwendigen Sach-mittel) für die Gestaltung eines rentabeln Geschäfts: ein System (dasist die Gedankenspitze), das für sich besteht: selbständig und das in-folgedessen übertragbar ist. Diesen ökonomischen Rationalismus kauftder Unternehmer und setzt ihn in seine Unternehmung ein wie ein Uhr-werk. Und nach diesem Uhrwerk vollzieht sich der Gang der Geschäfte.Genaueres siehe im 52. und 53. Kapitel,

(Zum vollkommen glatten Ablauf dieser Geschäfte gehört dann nochein anderer Komplex von objektivem Rationalismus, der in den Ein-richtungen des Marktes niedergeschlagen ist, und dessen sich, wie anseinem Orte zu zeigen sein wird, der einzelne Unternehmer ebenfallsfür seine Zwecke nach bequemen Methoden bedient.)

c) Die kapitalistische Unternehmung, dieses hier beschriebeneWundertier, hat endlich aber auch noch Tugenden: die bürgerlichenTugenden, deren sich in den Anfängen des Kapitalismus der Unter-nehmer in höchsteigener Person befleißigen mußte, wenn er Erfolghaben wollte, die jetzt aber auf das Geschäft übertragen sind und denenheute der Unternehmer selbst völlig imbeteiligt gegenüber steht (dasheißt: er kann sie auch haben; wenn er sie nicht hat, schadets nichts).Diese bürgerlichen Tugenden, mit denen das erfolgreiche Unternehmenunserer Tage geschmückt ist, sind vornehmlich: Fleiß, Sparsamkeit,Solidität.

3. Die B edeutung dieser Versachlichung des kapitalistischen Geistesfür die Entfaltung der wirtschaftlichen Energie liegt auf der Hand und