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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Dritter Abschnitt: Die Technik

II. Das wissenschaftliche Verfahren

Man kann das wissenschaftliche Verfahren einstweilen de-finieren als das auf wissenschaftlicher Erkenntnis aufgebaute Ver-fahren: dieses ist (formal) das Kennzeichen der modernen Technik.Wissenschaftlich ist es im Gegensatz zu dem empirischen Verfahren,das auf Erfahrung ruht. Seine Wesenheit liegt also in seiner objektivenBegründung.

Das wissensehaftliche Verfahren ist zu unterscheiden vom rationalen(oder wie es meist in ungenauer Wortgebung heißt: rationellen) Ver-fahren, das lediglich durch die subjektive Einstellung (auf höchsteZweckmäßigkeit) bestimmt und dessen Gegensatz das traditionale Ver-fahren ist, das auf dem Herkommen beruht.

Wir bekommen also zwei Gegensatzpaare, die auf verschiedenenEbenen liegen: wissenschaftlich-empirisch und rational-traditional.

Das rationale Verfahren ist ebenso charakteristisch für den Früh-kapitalismus, wie das wissenschaftliche Verfahren für den Hoch-kapitalismus. Zu vergleichen ist die Darstellung der Technik im Zeit-alter des Frühkapitalismus im ersten Bande dieses Werkes.

Die WesensbestimmungdeswissenschaftlichenV erfahrens werden wir am besten vornehmen, wenn wir es inseiner Gleichrichtung mit den Grundzügen des naturwissenschaftlichenDenkens zu erfassen suchen.

Der Grundgedanke der anorganisch-exakten Wissenschaft ist dochwohl der: das Weltall nicht mehr als das zweckmäßige Werk eines Hand-werkergottes (der sechs Tage, wie der irdische Handwerker arbeitet,wie dieser am siebenten Tage ruht und feststellt, das esgut war,was er gemacht hat) zu erfassen unter dem Gesichtspunkte alsoder Finalität und des Ausflusses höchstpersönlichen Schaffens, sondern:als ein System von Beziehungen, dessen einzelne Teile wie dasGanze seelenlos sind, und das zusammengehalten wird durch inne-wohnendeNaturgesetzmäßigkeit'.

Fühllos selbst für ihres Künstlers EhreGleich dem toten Schlag der Pendeluhr,

Folgt sie knechtisch dem Gesetz der SchwereDie entgötterte Natur.

Ganz ebenso faßt die moderne Technik den Produktionsprozeß alseine Welt im kleinen auf, die ebenfalls losgelöst von der persönlichenSchöpferkraft und der Mitwirkung des Menschen sich nach Natur-gesetzen abwickelt. An die Stelle der durch die lebendige Persönlich-